Domain-Rechtsanwalt Doug Isenberg legt seinen statistischen Bericht zu UDRP-Entscheidungen für das erste Quartal 2026 vor. Die Anzahl der Entscheidungen steigt um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
»Gigalaw’s Domain Dispute Digest First Quartal, 2026« ist ein 16-seitiger Report über die Entwicklung der UDRP-Verfahren in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Isenberg wertete dafür die entschiedenen UDRP-Verfahren aller fünf von ICANN akkreditierten Streitbeilegungsstellen (WIPO, Forum, CAC, ADNDRC und CIIDRC) aus. Die Domain-Namen-Entscheidungen nach der UDRP stiegen demnach gegenüber dem ersten Quartal 2025 um 14,88 Prozent an; der Anstieg der Domains, um die gestritten wurde, beträgt sogar 41,76 Prozent – was zwei Verfahren geschuldet ist. Maßgebend war das Verfahren von L’Oréal um 705 Domains, über das wir berichteten, und der Streit von Empower um 537 Domains. Auch das erfolgreiche Verfahren von Allstate um 153 Domains dürfte seinen Beitrag zum Anstieg geleistet haben.
Im Vorjahresquartal (2025) waren die Zahlen ein wenig zurückgegangen auf 1.942 Entscheidungen über 3.362 Domains gegenüber im 1. Quartal 2024 insgesamt 2.201 Entscheidungen über 4.638 Domains. Jetzt gab es 2.231 Entscheidungen über 4.766 Domains, so dass ein Anstieg auch gegenüber dem 1. Quartal 2024 vorliegt.
| Quartal | UDRP-Entscheidungen | Domains |
| Q1/2026 | 2.231 | 4.766 |
| Q1/2025 | 1.942 | 3.362 |
| Q1/2024 | 2.201 | 4.638 |
Im Vergleich zum 4. Quartal 2025 bleibt die Anzahl der Entscheidungen (2.264) etwas niedriger, dafür liegt die Zahl der streitigen Domains (3.679) jetzt deutlich höher. Aber zurück zum Vergleich zwischen den 1. Quartalen: Die Entscheidungen des 1. Quartals 2026 führten zum Transfer von 3.871 Domains (81,22 Prozent), bei 158 Domains (3,32 Prozent) wurde er abgelehnt, für 737 (15,46 Prozent) Domains liegt ein »Cancelled« vor. Im 1. Quartal 2025 lagen die Domain-Zahlen prozentual bei »Transfer« (88,70 Prozent) und »Transfer Denied« (4,28 Prozent) höher, während folglich die abgebrochenen (»Cancelled«) Fälle mit 6,93 Prozent niedriger lagen.
Die meisten Entscheidungen ergingen bei WIPO (1.272), gefolgt vom Forum (671). Bei 85,97 Prozent aller Verfahren ging es um lediglich eine Domain, bei 6,65 Prozent um zwei Domains. Der prozentuale Anteil nimmt ab, je mehr Domains beteiligt waren. Das umfangreichste Verfahren war der Streit von L’Oréal um 705 Domains, über den wir berichtet haben. Zweitumfangreichstes Verfahren war das von Empower über 537 Domains. Die meisten, nämlich 31 Verfahren, bestritt Philip Morris. Die meisten Verfahren unter den gTLDs betrafen .com-Domains (2.801), gefolgt von .shop (494) und .online (209). Unter den Länderendungen lag .ai (Anguilla) mit 41 Verfahren vorne, gefolgt von .co (Kolumbien) mit 31 Verfahren.
Isenberg erwähnt diesmal auch Reverse Domain Name Hijacking-Entscheidungen (RDNH), von denen er 24 (1,08 Prozent aller Entscheidungen) verzeichnet. Bei WIPO gab es 13 bei 1.272 Entscheidungen (1,02 Prozent), beim Forum waren es 10 von 671 Entscheidungen (1,49 Prozent) und beim CIIDRC war es ein Fall von zwölf Entscheidungen (8,33 Prozent). Schließlich wirft er einen Blick auf das Uniform Rapid Suspension-Verfahren (URS). Hier fielen die Zahlen deutlich gegenüber dem 1. Quartal 2025. So bietet das 1. Quartal 2026 lediglich noch 32 Entscheidungen, ein Minus von 39,62 Prozent gegenüber 53 Entscheidungen in 2025. Auch die Zahl der streitigen Domains verringerte sich auf 70, ein Minus von 21,35 Prozent gegenüber 89 Domains in 2025.
Das 16-seitige Gigalaw’s Domain Dispute Digest, Q1/2026 gibt einen schnellen, übersichtlichen und nachvollziehbaren Überblick über die Entwicklung der UDRP- und URS-Verfahren im ersten Quartal 2026. Wir empfehlen – wie immer – die Lektüre.