Strafurteil

Fünf Jahre Haft wegen Erschleichung von IPv4-Adressen

Ein Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien hat Amir Golestan, CEO des Technologieunternehmens Micfo LLC, zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Tat: er hatte sich in rechtswidriger Weise hunderttausende IPv4-Adressen beschafft und verkauft.

Schon seit Jahren heisst es, dass dem Internet die Adressen ausgehen. Gemeint sind IP-Adressen nach der Protokoll-Version 4 (kurz: IPv4), obwohl mit IPv6 ein Nachfolger längst bereit steht. Die anhaltend große Nachfrage nach IPv4-Adressen hat zu einem florierenden Handel geführt; aktuell bewegt sich der durchschnittliche Marktpreis bei US$ 40,– je IPv4-Adresse, wobei auch schon Preise von über US$ 60,– gezahlt worden sind. Um an die begehrten IPv4-Adressen zu gelangen, wurden zahlreiche Gesellschaften neu gegründet, um sich als Mitglied bei einer der insgesamt fünf Regional Internet Registries anzumelden; erklärtes Ziel der Neumitglieder: sich auf diese Weise einen Zugriff auf die Zuteilung eines IPv4-Adressblocks zu sichern. Zum Teil existierten diese Gesellschaften jedoch gar nicht, oder beruhten auf der Angabe falscher Identitäten. Im Jahr 2018 leitete die für die Vergabe von IP-Adressen in Nord-Amerika zuständige American Registry for Internet Numbers (ARIN) deshalb ein Verfahren gegen Micfo LLC ein mit der Begründung, das Unternehmen und sein CEO hätten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hunderttausende IPv4-Adressen erhalten. Der Streit wurde in einem Schiedsverfahren beigelegt, wobei Micfo LLC die meisten Adressen an ARIN zurückgegeben hat, die es noch nicht verkauft hatte.

Damit war der Fall zwar zivilrechtlich erledigt, weckte aber das Interesse der Strafverfolgungsbehörden in South Carolina, die im Mai 2019 Anklage wegen Betrugs gegen Golestan erhob. Man warf ihm vor, ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen – von Golestan als »Channel Partners« bezeichnet – und gefälschten Identitäten aufgebaut zu haben, um zu verhindern, dass ARIN Kenntnis davon erlangt, dass alle zugeteilten 757.760 IP-Adressen an denselben Käufer gingen. Die Staatsanwaltschaft konnte dabei belegen, dass jede dieser Briefkastenfirmen notariell beglaubigte eidesstattliche Erklärungen im Namen von Personen erstellt hatte, die nicht existierten. Infolgedessen konnte sie Golestan wegen Betrugs in Form des »wire fraud« in 20 Fällen anklagen – einen für jede Zahlung, die von Briefkastenfirmen getätigt wurde. Golestan erwarb für über US$ 3 Mio. Verkaufsrechte für IPv4-Adresse auf dem Sekundärmarkt, bevor sein Plan aufgedeckt wurde; die Behörde schätzte den Wert der verkauften IPv4-Adressen auf US$ 10 bis 14 Mio. Golestan stritt die Vorwürfe zunächst ab, knickte jedoch bereits am zweiten Verhandlungstag ein und bekannte sich schuldig. US-Bezirksrichter Richard M. Gergel verurteilte Golestan am 13. September 2023 zu 60 Monaten Gefängnis, gefolgt von einer zweijährigen gerichtlichen „Supervision“. Das Gericht ordnete außerdem eine Rückerstattung in Höhe von US$ 76.978,25 an ARIN an.

ARIN zeigte sich zufrieden mit dem Urteil und teilt in einer Stellungnahme mit:

Judge Gergel’s sentence sends an important message of deterrence to other parties contemplating fraudulent schemes to obtain or transfer Internet resources: Those who seek to defraud ARIN (or other Regional Internet Registries) are subject to costly and serious civil litigation, criminal charges, and, ultimately, a lengthy term of incarceration.

Und es wird nicht der einzige Fall bleiben: vor kurzem hat ARIN Strafanzeige in einem anderen Fall erstattet, in der es ebenfalls um eine Einzelperson und ihre Unternehmen geht, die unrechtmäßig IPv4-Adressen von ARIN bezogen haben.

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