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Neues von .bg, .co und .xxx

Offene Kriegserklärung an die Porno-Domain .xxx: wenige Tage vor dem wegweisenden ICANN-Meeting in Cartagena verstärkt eine Lobby-Gruppe ihren Druck. Auf Druck gegen ICANN setzt man auch in Bulgarien, während Kolumbiens Endung die eigene Kundschaft im Visier hat – hier die Kurznews.

Bulgarien verschärft im Streit um die Einführung der internationalisierten kyrillischen Variante der Landesendung .bg die Tonart gegenüber der Internet-Verwaltung ICANN. Im Juni 2010 hatte ICANN einen Antrag Bulgariens abgelehnt, weil man eine zu große Ähnlichkeit und Verwechslungsgefahr zwischen der kyrillischen Variante von .bg und der brasilianischen Endung .br sah. Doch die bisherige Begründung scheint nicht zu überzeugen: eine Gruppe von bulgarischen Registraren hat ICANN in einer Art Akteneinsichtsgesuch gebeten, die Gründe für die Ablehnung und die zu Grunde gelegten Kriterien zu veröffentlichen. Offenbar soll dies dazu dienen, auf juristischem Wege gegen die Ablehnung vorzugehen; ein Wechsel auf andere Kürzel wie .bu, .bya oder .bgr scheint damit endgültig vom Tisch.

Die in Botoga ansässige .CO Internet S.A.S, Verwalterin der kolumbianischen Länderendung .co, hat bekanntgegeben, mit einem „Rapid Domain Compliance Process“ getauften Verfahren gegen kriminelle oder sicherheitsrelevante Domains vorzugehen. Die Regelung gibt der Registry das Recht, Domain-Namen unter der Endung .co vorübergehend oder dauerhaft zu sperren, zu löschen oder zu übernehmen, wenn sie in einer Weise genutzt werden, die geeignet ist, die Stabilität, Integrität oder Sicherheit der .co-Registry oder eines Partner-Registrars zu gefährden; dies schließt auch vorbeugende Maßnahmen mit ein. Als Beispiele nennt die Verwalterin Aktivitäten wie Phishing, Pharming, Botnetting oder die Verbreitung von kinderpornographischen Inhalten. Details des Rapid Domain Compliance Process sind unbekannt, die vollständige Fassung ist im Internet bisher nicht abrufbar. Das Verfahren mag daher der Registry dienen; für die Inhaber einer .co-Domain droht jedoch der unvorhergesehene und unbegründete Verlust ihrer Adresse. Die Regelung trat am 1. Dezember 2010 in Kraft.

Der Streit zwischen der Free Speech Coalition (FSC) und der designierten .xxx-Verwaltung ICM Registry Inc. eskaliert: anlässlich des bevorstehenden ICANN-Meetings in Cartagena erklärte die FSC in einem Flyer, „bereit zum Krieg“ gegen die Einführung der Porno-Domain .xxx zu sein. Die Lobby-Gruppe befürchtet, in das „.xxx-Ghetto“ abgedrängt und so blockiert und zensiert zu werden; die Mehrheit der Betreiber sexuell orientierter Webangebote lehnt daher eine eigene Domain ab. Stuart Lawley, CEO von ICM Registry, gab sich indes unbeeindruckt: mit gleich 19 Vertretern will er in Cartagena die Werbetrommel für .xxx rühren; für Spannung ist also gesorgt.

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