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VeriSign äußert sich im Streit um .web zwischen ICANN und Afilias

Die .com-Registry VeriSign Inc. hat sich in die Auseinandersetzung zwischen ICANN und der Afilias-Tochter Afilias Domains No. 3 Limited um .web eingeschaltet: per »amicus curiae«-Brief versucht VeriSign das Schiedsgericht davon zu überzeugen, vortragen und Beweismittel anbieten zu dürfen.

Wie berichtet, hat Afilias Domains No. 3 Limited, unterlegene Bewerberin um die neue Top Level Domain .web, im November 2018 ein »Independent Review Process«-Schiedsverfahren (IRP) gegen ICANN eingeleitet. Darin führt Afilias gegenüber dem Schiedsgericht des International Centre for Dispute Resolution (ICDR) aus, weshalb ICANN bei der Vergabe von .web an den Neuling Nu Dot Co LLC gegen eigene Statuten verstoßen habe und vom weiteren Bewerbungsverfahren ausgeschlossen werden müsse. Zentraler Vorwurf ist, dass Nu Dot Co mit VeriSign einen finanzstarken Partner im Rücken hatte, der das (siegreiche) Auktionsgebot über US$ 135 Mio. erst möglich machte, dessen Beteiligung jedoch nicht offengelegt wurde. In einer ersten Reaktion auf das IRP-Verfahren hatte sich ICANN verpflichtet, von sämtlichen Maßnahmen abzusehen, die auf eine Delegierung von .web abzielen; damit rückte die Einführung von .web in weite Ferne.

Doch nun erhält ICANN unerwartete Unterstützung. Mit Hilfe eines »amicus curiae«-Schriftsatzes will VeriSign das Schiedsgericht überzeugen, dass man durch die Entscheidung um .web in eigenen Rechten betroffen sei und daher angehört werden müsse. Auf 22 Seiten geht VeriSign auch auf die Hintergründe des Engagements ein. So habe man erst 2015, mithin drei Jahre nach Einreichung der .web-Bewerbung, vereinbart, Nu Dot Co zu unterstützen. Zudem erhebt VeriSign schwere Vorwürfe gegen Afilias. So habe ICANN alle .web-Bewerber gebeten, bis 12. Juni 2016 mitzuteilen, ob man sich privat gütlich geeinigt habe, so dass eine öffentliche »auction of last resort« nicht notwendig sein würde. Obwohl Nu Dot Co von Anfang an klargemacht habe, die öffentliche Auktion zu wünschen, habe Afilias kollusiv und möglicherweise rechtswidrig versucht, eine private Auktion zu inszenieren. Dabei hätte von vornherein festgestanden, wer den Zuschlag für .web erhält und wie die unterlegenen Bewerber in garantierter Weise finanziell entschädigt werden; ICANN wäre hingegen leer ausgegangen. Gestützt wird die Behauptung angeblich durch SMS- und eMail-Korrespondenz zum Beispiel mit Steve Heflin, Vice President Sales bei Afilias. Daraus sei ersichtlich, dass Nu Dot Co bei einer privaten Auktion auch im Unterliegensfalle US$ 16 Mio., später sogar US$ 17,02 Mio. sicher gehabt hätte. Das habe Nu Dot Co abgelehnt und auf einer öffentlichen Auktion bestanden. Auch ein deutscher Webhoster habe Nu Dot Co vergeblich von den Vorteilen einer privaten Auktion überzeugen wollen.

Das Schiedsgericht wird nun voraussichtlich am 28. Januar 2019 entscheiden, ob es ICANN einstweilig untersagt ist, mit der Delegierung von .web fortzufahren. Jedenfalls derzeit zeichnet sich aber eine langjährige und schmutzige Schlammschlacht ab, was die Einführung von .web auf unbestimmte Zeit verschieben dürfte.

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