ICANN

Die 2. Bewerbungsrunde um neue Top Level Domains startet reibungslos – Bewerber halten sich bedeckt

Keine Verzögerung, kein technischer Wackler: seit dem 30. April 2026 und damit wie geplant nimmt die Internet-Verwaltung ICANN Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain entgegen. Doch bisher halten sich fast alle Bewerber bedeckt.

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2012 und noch bis zum 12. August 2026 haben Unternehmen, Communitys, Regierungsstellen und andere Organisationen die Möglichkeit, sich um einzigartige digitale Assets wie .brand, .city oder .industry zu bewerben, die sie für ihre Unternehmen, Kunden oder Wähler nutzen können. ICANN spricht in einer (sogar in deutscher Sprache versandten) Pressemitteilung von einem strategischen Instrument für das digitale Zeitalter und verweist darin auf Vorteile beim Aufbau von Markenvertrauen, bei der Schaffung lebendiger lokaler digitaler Ökosysteme und bei der Bereitstellung einer intuitiveren Navigation für die Nutzer. Kurtis Lindqvist, Präsident und CEO von ICANN, sagte:

gTLDs sind einzigartige digitale Werkzeuge, die auf sinnvolle und innovative Weise genutzt werden können, um langfristige Ziele zu erreichen. Ob es darum geht, eine Marke für ein Unternehmen aufzubauen, eine geographische Region oder eine Stadt ins Rampenlicht zu rücken, eine Gemeinschaft zu stärken oder ein Unternehmen zu gründen, das Domänennamen unter einer neuen Registry anbietet – eine neue gTLD kann ein innovatives Instrument für Handel, Sicherheit und Kommunikation sein.

Die Netzverwaltung hebt hervor, dass die Anzahl der Sprachen, die für »Internationalized Domain Names« (IDNs) zur Verfügung stehen, erweitert wurde, indem Bewerbungen in 27 verschiedenen Skripten akzeptiert werden, die Hunderte von Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Devanagari und Thai repräsentieren. Durch diese Erweiterung werde das Internet für Milliarden von Menschen, die keine lateinischen Schriftzeichen verwenden, zugänglicher und benutzerfreundlicher.

Von den potentiellen Bewerbern hat sich bisher niemand offiziell an die Öffentlichkeit gewagt und eine Antragstellung bestätigt. Während der japanische Elektronik-Konzern Canon Inc. anlässlich der Bewerbungsrunde 2012 gut zwei Jahre vor Öffnung des Bewerbungsfensters seine Bewerbung um .canon angekündigt hatte, ist es bisher still. Es besteht auch keine Eile; während der gesamten Bewerbungsphase gilt der Grundsatz des »first come, first served« nicht, es hat also keinen Einfluss auf die Bewerbung, ob man zu den ersten Bewerbern zählt oder zu den letzten. Der Domain-Blogger Andrew Allemann vermeldet, dass er wilde Spekulationen über die Zahl der diesjährigen Bewerber vernommen hat; 2012 waren es am Ende 1.930 für rund 1.400 verschiedene Domain-Endungen, von denen um die 1.200 delegiert wurden. Wie viele es dieses Mal sein werden, gilt daher als völlig offen, auch wenn die 75 Teilnehmer aus dem »Applicant Support Program« nahelegen, dass das Interesse groß ist. Sollten keine außergewöhnlichen Umstände eintreten, plant ICANN, die Liste aller eingegangenen Bewerbungen neun Wochen nach Schließung des Bewerbungsfensters zu veröffentlichen (»reveal day«); das wäre voraussichtlich der 14. Oktober 2026. Die endgültige Bewerberliste wird am »String Confirmation Day« veröffentlicht, da den Bewerbern eine Frist von zwei Wochen nach dem »reveal day« zur Verfügung steht, innerhalb derer sie in Kenntnis aller eingegangenen Bewerbungen unter Umständen eine Ersatzendung benennen können; der »String Confirmation Day« ist daher voraussichtlich am 28. Oktober 2026. Domain-Anwalt John Berryhill prognostiziert, dass es am Ende doch wieder ein »sue your way to a new TLD«-Verfahren geben wird, gleich wie oft ein Bewerber versichert, ICANN nicht verklagen zu wollen.

Christa Taylor (tldz.com) merkt an, dass 2012 viele Bewerbungen auf der Annahme basierten, dass die Akzeptanz für eine nTLD folgen würde, sobald die Domain delegiert wurde. Heute würden die Bewerber über mehr als ein Jahrzehnt an realen Daten zur Leistung der Registrierungsstellen verfügen, was Einfluss darauf habe, wie Domains bewertet und wie Geschäftsmodelle entwickelt werden. Gut möglich also, dass es bei der zweiten Einführungsrunde 2026 deutlich weniger Bewerbungen gibt, dafür die »use cases« deutlich besser entwickelt sind und erheblich mehr an Mehrwert für die Nutzer schaffen. Taylor:

It’s an exciting moment, particularly as advances in AI, identity, and automation continue to expand the role domains can play within modern digital experiences.

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