nTLDs

Ruby Glen LLC (Donuts) klagt auf Verlegung der .web-Auktion

Der Wettstreit um die neue Top Level Domain .web landet vor Gericht: mit einer gegen ICANN gerichteten Klage will die Donuts-Tochter Ruby Glen LLC in praktisch letzter Minute verhindern, dass die für 27. Juli 2016 angesetzte »auction of last resort« stattfindet. Zuvor waren bereits die Schlund Technologies GmbH als auch Radix FZC mit Verlegungsanträgen gescheitert.

Bereits seit mehreren Monaten weist der Auktionskalenders der Internet-Verwaltung ICANN den 27. Juli 2016 als jenen Tag aus, an dem mit .web eine der attraktivsten Endungen aus dem nTLD-Programm meistbietend versteigert werden soll. Unmittelbar vor diesem Termin überschlagen sich jedoch die Ereignisse: Am 11. Juli 2016 wandten sich Thomas Mörz, Geschäftsführer der in Regensburg ansässigen Schlund Technologies GmbH, als auch Brijesh Joshi, Director bei Radix FZC, an ICANN und baten um die Verlegung des Termins. Beide gehen davon aus, dass sich die Gesellschafter- bzw. Geschäftsführungsverhältnisse beim Mitbewerber Nu Dot Co LLC geändert haben könnten und ein unbekannter, aber finanzstarker Dritter wie zum Beispiel VeriSign oder Neustar das Ruder bei Nu Dot Co übernommen hat. Das »Board Governance Committee« von ICANN schloss sich dieser Vermutung aber nicht an; auf Nachfrage habe Nu Dot Co erklärt:

[n]either the ownership nor the control of Nu Dotco, LLC has changed since we filed our application.

Folglich wies man den Verlegungsantrag am 21. Juli 2016 zurück.

Doch damit will sich nun die zu Donuts gehörende Ruby Glen LLC nicht zufrieden geben. Über die Kanzlei Cozen O’Connor erhob man am 22. Juli 2016 Klage zum »District court for the central district of california« gegen ICANN. In einer 30-seitigen Klageschrift erhebt Ruby Glen diverse Vorwürfe, darunter Vertragsverletzung und unlauteren Wettbewerb. Den Kern der Klage bilden dabei Vorwürfe, wie sie zuvor auch Schlund und Radix geäussert haben. So sei Nicolai Bezsonoff, der in der Bewerbung noch als »secondary contact, manager and COO« gelistet gewesen sei, inzwischen bei Nu Dot Co ausgeschieden; außerdem gebe es Hinweise, dass der Vorstand von Nu Dot Co um »several others« erweitert wurde. Schließlich habe Nu Dot Co erklärt, vor geschäftlichen Entscheidungen mit den »powers that be« sprechen zu müssen, was ebenfalls auf einen Führungswechsel hinweise. Es gäbe somit Änderungen gegenüber den Angaben in der Bewerbung, welche nicht offengelegt worden seien. Eine Einschaltung des Ombudsman von ICANN habe ebenfalls zu keinem Ergebnis geführt. Vor diesem Hintergrund begehrt Ruby Glen eine gerichtliche Anordung, die ICANN dazu verpflichtet, die Auktion zu verlegen. Ausserdem möchte man Schadensersatz für erlittene und künftige Verluste, die Ruby Glen mit mindestens US$ 10 Mio. beziffert.

ICANN hat sich zu der Klage bisher nicht geäußert. Der letzte Eintrag zu .web datiert auf den 22. Juli 2016; an diesem Tag gab ICANN bekannt, dass die Auktion planmäßig am 27. Juli 2016 stattfindet. Bestätigte Hinweise darauf, dass Nu Dot Co gegenüber ICANN die Unwahrheit gesagt haben könnte, gibt es aktuell ebenfalls nicht. Spätestens am 27. Juli 2016 wissen wir allerdings mehr.

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