nTLDs

IRP-Entscheidung im Streit um die neue Internetendung .web wird in Kürze erwartet

In dem seit Jahren schwelende Streit um die Zukunft der generischen Domain-Endung .web steht die Entscheidung unmittelbar bevor: spätestens in der ersten Juni-Woche 2021 will das Schiedsgericht sein Urteil verkünden.

Im November 2018 hatte Afilias Domains No. 3 Limited, unterlegene Bewerberin um .web, ein »Independent Review Process«-Schiedsverfahren (IRP) gegen die Internet-Verwaltung ICANN eingeleitet. Afilias macht darin geltend, dass ICANN bei der Vergabe von .web an den Registry-Neuling Nu Dot Co LLC gegen eigene Statuten verstoßen habe und deshalb vom weiteren Bewerbungsverfahren hätte ausgeschlossen werden müssen. Der zentrale Vorwurf lautet, dass Nu Dot Co mit der .com-Registry VeriSign Inc. einen finanzstarken Partner im Rücken hatte, der das (am Ende siegreiche) Auktionsgebot von US$ 135 Mio. überhaupt erst möglich gemacht hat, dessen Beteiligung jedoch nicht offengelegt wurde. VeriSign hat sich über einen so genannten »amicus curiae«-Schriftsatz zu Gunsten von ICANN an diesem Verfahren beteiligt. In einer ersten Reaktion auf dieses IRP-Verfahren hatte sich ICANN verpflichtet, von allen Maßnahmen abzusehen, die auf eine Delegierung von .web abzielen; daher ist .web bisher weder in die Root Zone eingetragen, noch gibt es einen konkreten Termin, ab dem die ersten .web-Domains registrierbar sind.

Im November 2020 ließ VeriSign-CEO Jim Bidzos in einer Telefonkonferenz mit Analysten dann verlauten:

A final decision from the [Independent Review Process] panel may be issued later this year or early next year.

Doch auch bis zum Ende des ersten Quartals 2021 blieb es still um .web. Nun hat erneut Bidzos diese Stille durchbrochen. Wiederum anlässlich einer Telefonkonferenz mit Analysten gab er am 22. April 2021 bekannt, dass das Schiedsgericht die Verhandlung am 07. April 2021 abgeschlossen hat; die Entscheidung soll binnen der kommenden 60 Tage verkündet werden, also spätestens in der ersten Woche des Monats Juni 2021. Zum Stand des Verfahrens im Übrigen machte er keine Angaben. Die letzten von ICANN veröffentlichten Informationen stammen aus dem Oktober 2020 und deuten darauf hin, dass allein für Anwaltsgebühren siebenstellige Beträge in US-Dollar ausgegeben wurden. Wirtschaftlich betrachtet hat die Auseinandersetzung an Gewicht gewonnen, seit Donuts bekanntgegeben hat, Afilias übernommen zu haben. Würde man das Schiedsverfahren gewinnen, würden die Chancen steigen, mit .web ein echtes Schwergewicht ins nTLD-Portfolio aufnehmen zu dürfen.

Aber auch für VeriSign hat .web nicht nur eine strategische Bedeutung. Im Rahmen des Schiedsverfahrens hieß es:

The undisputed evidence is that Verisign needs a TLD like .WEB for growth given the decreased name availability in .COM.

Man konnte sogar auf Afilias verweisen:

Even Afilias’ own experts concede that the .COM name space effectively is taken. Numerous other industry participants have noted that most of the “good” names in .COM already are taken.

Hinter diesem Vortrag steckt allerdings Kalkül; inzwischen teilte VeriSign mit, dass man für dieses Jahr ein Wachstum bei .com und .net von 4,0 bis 5,5 Prozent erwartet; bisher hatte man nur auf 2,5 bis 4,5 Prozent gehofft. Umgerechnet deutet das auf ein Wachstum von über sechs Millionen Domains – so ganz gehen .com die sinnvollen Alternativen also offenbar doch nicht aus.

  1. Robert

    Ab wann wäre denn dann mit einer Registrierung von .web Domains zu rechnen?

    Antworten
    • RA Daniel Dingeldey

      Das lässt sich derzeit nicht sagen. Wir werden zeitnah berichten, wenn wir entsprechende Informationen haben.

      Antworten

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