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ICANN-Chef Marby setzt bei den kommenden neuen TLD auf Internationalisierung

Der Schwerpunkt der nächsten Einführungsrunde für Top Level Domains soll auf Internationalisierung liegen. Diesen Wunsch äusserte ICANN-CEO Göran Marby anlässlich des 71. Meetings der Internet-Verwaltung. Einen Zeitpunkt für den Start der nächsten Runde nannte er nicht.

Vom 14. bis zum 17. Juni 2021 traf sich die ICANN-Community zu ihrem 71. Treffen, das pandemiebedingt ausschließlich virtuell abgehalten wurde. Im Vordergrund stand diesmal das Thema »Policy«, also Regelwerke, welche die Entscheidungen bestimmen. Zu den spannendsten Sessions zählte eine Veranstaltung am 15. Juni, bei der sich das ICANN-Board und der ICANN-Regierungsbeirat Governmental Advisory Committee (GAC) wie üblich bilateral trafen. Auf der Tagesordnung stand das Thema der nächsten Einführungsrunde für generische Top Level Domains, und Marby zögerte nicht lange, seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Etwas überraschend ging es ihm weder um das Bewerber-Handbuch, noch um Details. Marby sieht ICANN an einem historischen Punkt angekommen; man könne zu etwas beitragen, was »sehr, sehr wichtig« sei, nämlich die Fähigkeit der Menschen, zu kommunizieren. Dabei dürfe die englische Sprache nicht länger im Mittelpunkt stehen:

I think the next round should be giving the ability to people to have something in correlation with their own scripts, their own keyboards.

Zugleich stellte er Universal Acceptance in den Vordergrund:

The work we do, universal acceptance with IDNs will be very important for the next round but we have to re-think things we have done previously. Because the last time we did a round was very much about the English language itself, and I don’t think that’s fair for the rest of the world.

Unklar bleibt, was Marby zu diesem Vorstoß veranlasst hat. Die Zahlen sprechen grundsätzlich gegen ihn. Unter den 1.930 Bewerbungen, die 2012 bei ICANN eingegangen sind, waren lediglich 116 internationalisierte Endungen, die sich auf 12 Zeichensätze verteilten. Delegiert, also in die Root Zone eingetragen, wurden bisher 97. Misst man den Erfolg einer TLD an den Registrierungszahlen, ist .xn--ses554g die bisher erfolgreichste; das Kürzel steht für „website/net address“ in chinesischer Sprache und kommt derzeit auf rund 130.000 Domains. Aber es lohnt sich, genau hinzusehen: Registry ist die KNET Co. Ltd., und über 95 Prozent der registrierten Domains entfallen auf Knet Registrar Co. Ltd.; die Namensähnlichkeit legt also nahe, dass fast alle Domains der Registry zuzuordnen sind. Die zweiterfolgreichste IDN ist mit .xn--3ds443g wiederum eine Endung in chinesischen Zeichen; sie kommt aber auf nur rund 35.000 registrierte Domains. Durchgesetzt haben sich IDNs damit also bisher eher nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig; unter anderem gibt es nach wie vor zahlreiche Software-Anwendungen, die bei IDNs zu Fehlermeldungen führen. Dem will die Universal Acceptance entgegenwirken,

Marby deutet zudem an, sich für ein »diverse and creative Internet« einsetzen zu wollen. »Local content, local web pages and connectivity, data centers in that country instead of going to other places«, so Marby. Ob er damit die Regierungsvertreter milde stimmen wollte, blieb offen. Dem nTLD-Programm dürfte jedenfalls eine zusätzliche Verzögerung drohen, wenn sich der ICANN-CEO dafür ausspricht, den Schwerpunkt auf ein Thema zu lenken, das bisher nicht im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stand. Alles in allem gibt es damit auch weiterhin keinerlei Anzeichen dafür, dass man sich vor dem Jahr 2023 um eine neue generische Top Level Domain bewerben kann.

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