Domain-Handel

Falsches Spiel mit vpn.com beim Handel mit 89.com

Der Domain-Handel ist ein schwieriges Geschäft. Es bedarf dazu nicht nur Geld, Geduld und attraktiver Domains, man muss sich darüber hinaus der in ein Domain-Geschäft involvierten Personen sicher sein. Dazu gehört auch ein Mittler oder Escrow, der bei der Abwicklung des Geschäfts eine neutrale Position einnimmt und erst mit Geldeingang den Transfer der Domain einleitet bzw. vice versa. Den Escrow sollte man sich daher gezielt aussuchen.

Der Internetdienstleister VPN (vpn.com), der selbst auch Escrow- und Broker-Dienste anbietet, liefert nun eine großartige Räuberpistole aus dem Domain-Handel, die ihn zu einer Klage vor dem kalifornischen US District Court veranlasst hat. Dort klagt VPN gegen den Domain-Investor George Dikian (Kalifornien, USA), Qiang Du (Hong Kong) und »Unbekannt« (»John Doe«) auf Rückzahlung von US$ 250.000,– in Bitcoin und Zahlung von US$ 6,625 Mio. Provision für Domain-Transfers von 96 Premium 2-Ziffern- und 3-Ziffern-.com-Domains.

Im März 2022 sprach Qiang Du als Vertreter der ZTE Holding VPN an und bat, bei einem Ankauf der 2-Ziffern-Domain 89.com behilflich zu sein. VPN stellte George Dikian, Domain-Investor mit einem Portfolio von über 1.800 Domains, als Inhaber fest und sprach ihn über seine bekannte Yahoo-eMail-Adresse an. Es wurde verhandelt und man kam zu dem Ergebnis: Dikian verkauft die Domain 89.com und erhält dafür US$ 2,25 Mio., während Du US$ 4,4 Mio. zahlt. Und obwohl VPN darauf bestand, für den Transfer die Dienste von Escrow.com oder Epik.com zu nutzen, setzte sich Dikian damit durch, den Anbieter Intermediar dafür einzuschalten, der problemlos steuererleichternde Bitcoin-Transfers ermögliche. Man vereinbarte also, dass Du selbst US$ 2 Mio. über Intermediar zahle, während VPN US$ 250.000,– in Bitcoin direkt an Dikian transferiert, die VPN nach der Auszahlung der Maklerprovision durch Intermediar senden würde. Am 23. April 2022 bestätigte Intermediar, Du hätte einen Betrag von US$ 2,2 Mio. gezahlt; am 24. April 2022 bestätigte Intermediar, Dikian hätte die Domain 89.com bei ihnen hinterlegt. Drei Tage später hieß es, Du hätte die Domain zur Prüfung erhalten, und am 29. April 2022 erklärte Intermediar, Du habe die Domain akzeptiert und die Übertragung sei abgeschlossen. VPN leistete seine Bitcoinzahlung. In diesem Zeitraum kam Dikian auf VPN zu und fragte an, ob VPN nicht auch 95 weitere Premium-Domain abwickeln wolle. Wieder traten die Parteien in Verhandlung und kamen überein, dass über Escrow.com Du US$ 12,53 Mio. für die 95 2-Ziffern-.com-Domains zahlen solle, während Dikian US$ 8,025 Mio. erhalten und VPN US$ 4,475 Mio. einstreichen würde. Derweil transferierte Dikian die 6,27 Bitcoins aus seinem Wallet und VPN fragte bei Intermediar nach, wo die Provision bliebe. Intermediar verweigerte eine Auszahlung der Provision an VPN und beendete die Kommunikation. Dann stellte sich für VPN heraus, dass alle Informationen, die von Intermediar kamen, falsch waren und insbesondere die Domain 89.com nicht transferiert worden war. Bald darauf erhob VPN die Klage. Deren Ausgang ist derzeit völlig unklar.

Wer den Ärger hat, muss für den Spott nicht sorgen. Der Artikel von Konstantinos Zournas, in dem das alles minutiös dargelegt ist, sorgt bei Kommentatoren für Stimmung. So meldet sich Domain-Anwalt John Berryhill zu Wort und macht einerseits deutlich, dass der wahre George Dikian sowas nicht machen würde und zeigt anhand zweier Punkte auf, warum sich unmittelbar erschließt, warum Intermediar kein vertrauenswürdiger Escrow, sondern eher Fake ist. Michael Gargiulo, CEO von VPN, verteidigt sich nicht nur gegen Berryhills Kommentare. In ein schlechtes Licht setzt sich nach Ansicht der Kommentatoren VPN wegen der ungeheuer hohen Provisionen, die man für die eigene Arbeit einstecken will; das Mitleid für die Verluste bei VPN hält sich in Grenzen, zumal sich zeigt, dass am 05. Mai 2022 bei Namepros der Hinweis aufgetaucht ist, dass die eMail-Adresse von Dikian für Verkäufer-Scams missbraucht wird. Wie sich die Angelegenheit, gerade auch vor Gericht, weiter entwickelt, wird sich weisen. Man gewinnt jedenfalls den Eindruck, dass VPN, gewisse Sicherheitsstandards nicht einhaltend, fahrlässig gehandelt hat, möglicherweise von der Höhe der Provisionen geblendet. Aber es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass VPN hier – zumindest in Teilen – eine Räuberpistole auftischt.

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