Root Zone

US-Regierung betont eigene Vormacht

Die US-Regierung wird die Oberaufsicht über die Root Zone auch in Zukunft nicht aus der Hand geben. In einem Brief an ICANN-Aufsichtsrat Peter Dengate-Thrush gab das US-Handelsministerium unmissverständlich zu verstehen, weder an der eigenen noch an der Rolle von ICANN oder VeriSign etwas ändern zu wollen.

Erst beim letzten ICANN-Meeting in Paris war sie wieder Thema, die Dauerdiskussion um die Internetverwaltung einschließlich der Kritik an der US-Regierung, die Oberaufsicht über die zentralen Ressourcen des Domain Name Systems (DNS) zu internationalisieren. Doch derartigen Ansinnen hat die US-Regierung ungewöhnlich offen eine Absage erteilt: In einem nun veröffentlichten Brief aus dem Juli 2008 an ICANN-Chairman Peter Dengate-Thrush nahm Meredith A. Baker von der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) eine Mitteilung auf der ICANN-Website zum Anlass, einige grundsätzliche Aussagen zu treffen.

So weist sie darauf hin, dass die Beziehung zwischen ICANN und der US-Regierung durch zwei wesentliche Verträge geregelt ist: zum einen das Joint Project Agreement (JPA), mit dem die technische Koordination des Managements des DNS auf den privaten Sektor und damit ICANN übertragen wird, zum anderen die Vereinbarung, mit der ICANN die IANA-Funktionen (also die Vergabe von IP-Adressen, Top Level Domains und IP-Adressen) übertragen wurde. Anlässlich der „mid-term review“, in deren Rahmen die Entwicklungen bei ICANN auf Grundlage der vertraglichen Beziehungen überprüft wurden, hat man festgestellt, dass ICANN zahlreiche Fortschritte gemacht hat. Gleichwohl bleibt auf Feldern wie langfristige Stabilität, Rechenschaft, Ansprechbarkeit oder Beteiligung von Interessenvertretern noch viel Arbeit. In den so genannten „PSC papers“ – einer Reihe von Diskussionspapieren zur Stärkung des institutionellen Vertrauens in die Internetverwaltung – seien viele dieser Bereiche angesprochen worden; dies dürfe jedoch zu keiner Abweichung von den bisherigen Vereinbarungen führen. Man wolle ausdrücklich betonen, dass man derzeit keinerlei Verhandlungen über die Rolle des US-Handelsministeriums, von ICANN und VeriSign führe; es gäbe auch keinerlei Absicht, derartige Gespräche in Zukunft zu führen. Soweit daher in den „PSC papers“ diskutiert wird, die Aufsicht über die Root Zone zu übertragen, stimme dies mit den Plänen der US-Regierung gewiss nicht überein.

Insider kann dieses Schreiben nicht überraschen. Egal, zu welchem Ergebnis die Diskussionen auf Treffen wie dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) gelangen – die Entscheidungen über die Root Zone lassen sich die USA nicht aus der Hand nehmen. Oder wie der US-Jurist Brett Faussett das eigene Selbstverständnis der USA formulierte: man hätte anstelle des Briefes auch mitteilen können, dass der Himmel blau ist.

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