Netzverwaltung

US-Wirtschaftsministerium gibt grünes Licht für IANA-Transition

Der 9. Juni 2016 markiert einen historischen Tag für das Internet: an diesem Tag gab die innerhalb des US-Wirtschaftsministeriums zuständige National Telecommunications and Information Administration (NTIA) bekannt, dass der von ICANN erarbeitete Vorschlag zur so genannten „IANA-Transition“ die von ihr vorgegebenen Kriterien erfüllt.

Seit dem Jahr 1998, mit Schaffung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), arbeitet die US-Regierung gemeinsam mit Unternehmen, Technikexperten, Regierungen sowie der Zivilgesellschaft an der Verwaltung des Internets. Im Jahr 2014 kündigte man erstmals, an die Verantwortung für IANA-Funktionen, eine der Kern-Ressourcen der Netzverwaltung, endgültig in die Hände der globalen Multistakeholder-Community legen zu wollen. Voraussetzung ist, dass ein Modell gefunden wird, das folgende vier Voraussetzungen erfüllt:

  • Support and enhance the multistakeholder model
  • Maintain the security, stability, and resiliency of the Internet DNS
  • Meet the needs and expectations of the global customers and partners of the IANA services
  • Maintain the openness of the Internet.

Im März 2016 hat ICANN einen solchen Vorschlag veröffentlicht. Er beinhaltet ein kompliziertes Geflecht von gegenseitigen Kontrollmechanismen. Zu seinen wesentlichen Säulen zählt die Klarstellung der technischen (nicht politischen) Aufgabe ICANNs, ein überarbeiteter „Independent Review Process“, der mehr Kontrolle der Handlungen ICANNs erlaubt und mehr Einfluss für die Community beispielsweise in Fragen des ICANN-Budgets bringt, und das Recht zur Inspektion und Investigation. Den Vorschlag hat die NTIA nun eingehend untersucht und ihre Auswertung in einem 172 Seiten starken »IANA Stewardship Transition Proposal Assessment Report« veröffentlicht. Demnach genügt der ICANN-Vorschlag den Vorgaben der NTIA; insbesondere werde die Rolle der NTIA nicht durch eine regierungsgeführte oder gar eine zwischenstaatliche Organisation ersetzt. Auch die Sorge, dass einzelne Regierungen wie China oder Russland künftig mehr Einfluss auf das Domain Name System nehmen könnten, teilt die NTIA ausdrücklich nicht. Die Statuten würden verhindern, dass Mitglieder einer Regierung im ICANN-Vorstand stimmberechtigt sind; im Regierungsbeirat Governmental Advisory Committee (GAC) blieben sie aber berechtigt, Empfehlungen auszusprechen, wobei man weiterhin auch in streitigen Fragen Konsens anstrebe. Praktisch bedeutet dies, dass die US-Regierung auf die Root Zone keinen unmittelbaren Einfluss mehr nimmt, aber weiterhin eine aktive und führende Rolle in der Netzverwaltung spielt.

Noch sind allerdings nicht alle Hürden genommen. Die Senatoren Ted Cruz und Sean Duffy haben im US-Kongress kurzfristig einen Gesetzesvorschlag namens »Protecting Internet Freedom Act« eingebracht, der nur ein Ziel hat: der NTIA zu verbieten, ohne ausdrückliche Zustimmung des US-Kongresses in Sachen IANA-Transition Fakten zu schaffen. Larry Strickling von der NTIA gab sich aber gelassen: »We’ve been up on the Hill doing briefings and will continue to do so with any member that wants to talk to us«, so Strickling. ICANN hat nun vorerst Zeit bis 12. August 2016, um einen Plan für die Implementierung des neuen Modells vorzulegen; am 30. September 2016 endet dann der aktuelle IANA-Vertrag, so dass der Weg für die Revolution im Internet endgültig frei wäre.

Ein Factsheet zur IANA-Transition finden Sie hier.

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