ICANN

US-Politiker streiten um IANA-Vertrag

Die Verlängerung des IANA-Vertrags um mindestens ein Jahr verschafft der Internet-Verwaltung ICANN etwas Luft, um den Übergang der Macht im Netz vorzubereiten. Stefano Trumpy, vormals Vertreter Italiens im ICANN-Regierungsbeirat Governmental Advisory Committee (GAC), erläutert, wie es dazu kam.

Mitte August 2015 hatte Larry Strickling von der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) der US-Regierung mitgeteilt, dass man den ursprünglich am 30. September 2015 endenden IANA-Vertrag mit ICANN um vorerst ein Jahr verlängern wolle. Zur Begründung verwies er darauf, dass die Community mehr Zeit brauche, um ein Alternativ-Modell der Netzverwaltung zu finden und gegebenenfalls zu implementieren. In einem Interview mit dem Magazin »The Digital Post« hat Trumpy nun einige weitere Hintergründe offenbart. Zwar sei es in der Tat so, dass die verschiedensten Gruppen wie die innerhalb der Strukturen von ICANN operierenden CCWG (Cross Community working group on enhancing ICANN Accountability) und CWG (IANA Stewardship transition proposal on Naming Related functions) sowie auch die von ICANN unabhängige IGC (IANA Stewardship Transition Coordination Group) seit März 2014 enorme Arbeit geleistet hätten; ein endgültiger Vorschlag, der den Anforderungen der US-Regierung genügt, müsse jedoch noch formuliert werden. Vor allem aber arbeiten politische Kräfte daran, dass im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen im November 2016 alle Optionen offengehalten werden. So sind die Vertreter der Republikanischen Partei der Ansicht, dass es sich bei den IANA-Funktionen um einen wertvollen Vermögenswert für die US-Wirtschaft handelt. Die Republikaner würden eine IANA-Transition zwar nicht verhindern, jedoch an Bedingungen knüpfen wollen, die sie erschweren. Die vorläufige Vertragsverlängerung kam demnach gerade recht.

Allerdings ist Trumpy zuversichtlich, dass ein endgültiger Vorschlag für die künftige Netzverwaltung spätestens im Frühjahr 2016 auf dem Tisch liegt. Dabei müssen zwei Kernbedingungen erfüllt sein: die Gewährleistung, dass das Management des Domain Name Systems künftig sicherer und mit mehr Rechenschaftspflicht erfolgt, und dass keine anderen Regierungen in Fragen der DNS-Verwaltung oder der IANA-Funktionen eingebunden sind. Wenn dieser Spagat gelingt, könnten die Verhandlungen zwischen der US-Regierung und ICANN binnen vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein. Strickling habe aber auch nicht ausgeschlossen, den Vertrag bei Bedarf nochmals um zwei weitere Jahre zu verlängern.

Eine ausdrückliche Absage erteilte Trumpy Bestrebungen von Ländern wie China oder Russland, mehr Einfluss auf die Verwaltung des Internets nehmen zu wollen. Die Position der US-Regierung sei klar: mehr staatliche Macht im Netz, und der Vorschlag zur IANA-Transition werde abgelehnt. Dabei schloss er sogar nicht aus, dass die Verhandlungen scheitern; in diesem Fall würden wohl langjährige diplomatische Gespräche folgen, in denen mit enormer Energie versucht werden, die USA von der Aufgabe ihrer Vorreiterrolle zu überzeugen – das könne niemand wollen. Daher hoffe er, dass das Projekt im kommenden Jahr abgeschlossen werde. ICANN selbst geht übrigens davon aus, dass beim 56. ICANN-Meeting, das für 27. bis 30. Juni 2016 angesetzt ist, der endgültige IANA-Übergang beschlossen wird.

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