»Healthy Domains«

PIR rudert bei Plänen der Domain-Initiative kräftig zurück

Der Lobbyverband Domain Name Association (The DNA) muss in seinen Bemühungen um die »Healthy Domains Initiative« einen schweren Rückschlag einstecken: Hauptinitiator Public Interest Registry (PIR) hat aufgrund des öffentlichen Widerstands gegen ein UDRP-System für Webinhalte angekündigt, die Bemühungen vorerst auf Eis zu legen.

Mitte Februar 2017 stellte die DNA erstmalig die neu entwickelte »Healthy Domains Initiative« (HDI) der breiteren Öffentlichkeit vor. Eine Reihe standardisierter Geschäftsabläufe soll der Domain-Branche helfen, trotz ihres Wachstums gesund zu bleiben. Im Rahmen einer Art freiwilligen Selbstkontrolle sollten sich Branchenmitglieder insbesondere verpflichten, in den folgenden vier Themengebieten dafür zu sorgen, dass die Domain Name Industry nicht verkommt:

  • Befassung mit Missbrauchspraktiken (z.B. Malware, Phishing und Pharming)
  • Verbesserung von Maßnahmen gegen Kinderpornographie
  • Entbürokratisierung von Beschwerdeverfahren gegen illegale oder bösartige Online-Apotheken
  • Schaffung eines freiwilligen, unabhängigen Kontrollsystems für Urheberechtsverletzungen im Internet

Für Diskussion sorgt vor allem der letzte Punkt. Die DNA denkt konkret an ein System, das ähnlich wie Beschwerdeverfahren gemäß der UDRP funktioniert, jedoch auch Inhalte erfasst, die in rechtswidriger Weise unter einer Domain veröffentlicht werden. Entwickelt wurde die »Systemic Copyright Infringement Alternative Dispute Resolution Policy« (SCDRP) von der .org-Verwalterin PIR. Ihren exakten Wortlaut sucht man vergebens; zumindest Teile der Regelung haben aber Eingang in die HDI gefunden. So finden sich dort unter der Bezeichnung »Copyright ADRP« stichpunktartig insgesamt sieben Empfehlungen, die auf ein Verfahren schliessen lassen, dass sich eng an die UDRP anlehnt, mit dem wesentlichen Unterschied, dass nicht rechtswidrige Domain-Namen, sondern rechtswidrige Inhalte unter einer rechtmäßigen Domain zu einer Übertragung oder Suspendierung einer Domain führen können.

Heftige Kritik an der HDI kam unter anderem von der Electronic Frontier Foundation (EFF) und der Internet Commerce Association (ICA), die beide eine Schattenregulierung fürchten. Auf diese Kritik hat PIR jetzt reagiert. In einem Blog-Eintrag erläutert die Registry in knappen Worten:

Given certain concerns that have been recently raised in the public domain, Public Interest Registry is pausing its SCDRP development process to reflect on those concerns and consider forward steps. We will hold any further development of the SCDRP until further notice.

Wie viel Unterstützung der PIR-Vorschlag gefunden hat, lässt sich nur spekulieren; in der DNA sind aber immerhin namhafte Unternehmen wie ARI Registry Services, Donuts, GoDaddy, Google und Rightside vertreten. Ob damit auch die HDI bis auf weiteres zu den Akten gelegt wird, lässt PIR offen; auf der DNA-Website findet sich aber der Hinweis, dass man sich zusätzliche Zeit für die »Copyright ADRP« nehmen und einstweilen an den anderen 30 Empfehlungen der Initiative arbeiten wolle.

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