RDS

ICANN arbeitet am WHOIS-Nachfolger

Die Internet-Verwaltung ICANN intensiviert ihre Arbeiten an einem Nachfolger für das WHOIS-System: eine neue »Working Group« soll konkrete Empfehlungen erarbeiten. Doch das dürfte noch eine Weile dauern.

Wer wissen will, wer Inhaber einer Domain ist, bei welchem Registrar sie angemeldet ist oder welche Nameserver-Einträge verzeichnet sind, wird in der Regel in der so genannten WHOIS-Datenbank fündig. Diese Transparenz hat jedoch Datenschützer auf den Plan gerufen, da sie Missbrauch befürchten. In der Praxis haben sich daher Proxy-Dienste etabliert, über die man den wahren Inhaber einer Domain anonymisieren kann. Das wiederum ist den Strafverfolgungsbehörden ein Dorn im Auge, da unter anderem die Ermittlung von Tätern erschwert wird. Die Internet-Verwaltung ICANN arbeitet daher bereits seit vielen Jahren daran, eine Lösung zu finden, die allen Interessen gerecht wird. Die Generic Names Supporting Organization (GNSO), innerhalb ICANNs zuständig für die Entwicklung und Empfehlung neuer Regularien, hat nun einen Aufruf für Freiwillige gestartet, sich an einer Arbeitsgruppe für den neuen »gTLD Registration Directory Service« (RDS) zu beteiligen, der das WHOIS in seiner bisherigen Form ersetzen soll.

Wer aber schon in Kürze konkrete Ergebnisse erwartet, der dürfte sich täuschen. Die Arbeitsgruppe soll in einem dreiphasigen Verfahren zunächst ermitteln, ob und warum ein RDS der neuen Generation nötig ist; entsprechende Bemühungen gibt es aber schon seit etwa 15 Jahren. Der Streit um das bisherige WHOIS entzündet sich unter anderem an Themen wie Zweck, Genauigkeit, Datenschutz, Anonymität, Kosten, Regularien, Schutz geistigen Eigentums und Sicherheit. Und hier erwartet der ICANN-Vorstand auch konkrete Vorschläge: wer soll auf WHOIS-Daten zugreifen dürfen? Wie soll die Datengenauigkeit verbessert werden? Welche Daten sollen überhaupt gespeichert werden? Welche Kosten sind mit einem RDS verbunden und wer trägt sie? In Phase 2 sollen die Antworten dann in die Form von Policies gegossen werden, um dann im dritten Schritt einen konkreten Vorschlag zu machen, wie die Policies in die Praxis umgesetzt werden. Dass all diese Schritte noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, gilt als nahezu ausgeschlossen.

An der Arbeitsgruppe teilnehmen kann übrigens jedermann weltweit. Man kann sich sowohl bei Meetings als auch über Mailinglisten einbringen; man sollte aber Zeit einplanen, denn es ist vorgesehen, dass die Arbeitsgruppe wöchentlich mindestens eine Telefonkonferenz veranstaltet. Es gibt ferner die Möglichkeit, sich als reiner Beobachter registrieren zu lassen; der Informationsfluss ist dann jedoch eingeschränkt. Bei alledem darf man nicht vergessen, dass ICANN nur die Kontrolle über generische Endungen wie .com, .net und die zahlreichen nTLDs hält; ob sich auch hunderte von Länderendungen wie .de, .at oder .ch den Empfehlungen ICANNs am Ende anschliessen, ist derzeit noch gänzlich ungewiss.

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