.xxx

ICM Registry bereitet Einführung vor

Die Debatten um die Porno-Domain .xxx finden kein Ende: kaum war die Einführung beschlossen, hat Indien angekündigt, alle Domain-Namen mit dieser Endung zu sperren. Unterdessen arbeitet die designierte Verwalterin ICM Registry Inc. intensiv am Sunrise-Verfahren.

„Top-Level-Domain .xxx Sex-Seiten haben jetzt eine eigene Endung“ – mit diesen oder ähnlichen Schlagzeilen vermeldete vergangene Woche nicht nur die Bild-Zeitung den ICANN-Beschluss, nach jahrelangen Diskussionen .xxx einzuführen. Das Echo fiel jedoch gemischt aus. So befürchtet etwa Craig Gross, als Mitgründer von xxxchurch.com in der Bekämpfung Pornographie-Süchtiger tätig, dass die Zahl pornographischer Angebote explodieren werde. Für die „taz“ ist .xxx dagegen nicht mehr als ein Feigenblatt für den Jugendschutz, da Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht an Netzfilter delegieren können. Diese Anspielung betrifft die Sorge, dass mit .xxx der Zensur des Domain Name Systems Vorschub geleistet wird, zumal Indonesien, Indien und einige andere Länder aus dem Mittleren Osten Domains unter .xxx wegen Gesetzesverstoßes generell blockieren wollen. Doch nicht nur Experten zweifeln an der Effektivität solcher Maßnahmen, weil niemand gezwungen ist, erotische Inhalte ausschließlich unter .xxx ins Netz zu stellen.

ICM Registry lässt sich davon nicht irritieren. Innerhalb der letzten Woche sprang die Zahl der Vorregistrierungen auf über eine halbe Million, Tendenz weiter steigend. Selbst die vergleichsweise hohen Registrierungsgebühren von voraussichtlich US$ 75,- bis 100,- pro Domain und Jahr scheinen niemand abzuschrecken. Zunächst kommen aber die Inhaber von Kennzeichenrechten zum Zug. Die Sunrise Period teilt sich auf in die Phasen A, B und C. In Phase A kommen nur Rechteinhaber aus der „adult entertainment industry“ an die Reihe, wobei eine verbindliche Definition noch aussteht. In Phase B kommen sodann auch die übrigen Rechteinhaber in den Genuss einer bevorrechtigten Registrierung; allerdings werden die dabei geschützten Domains nicht auflösen und damit aktiv nutzbar sein, sondern lediglich reserviert und geblockt. In der abschließenden Phase C nimmt .xxx Rücksicht auf jene Mitglieder der „adult entertainment industry“, die ihr Angebot bisher unter einer anderen Top Level Domain vorhielten; auch sie können ihre Domain bevorrechtigt anmelden. Jede der Phasen ist mit der Zahlung einer Einmalgebühr verbunden, die allerdings in Phase C deutlich geringer sein wird; eine Größenordnung ist bisher nicht bekannt. Wer an der Sunrise Period teilnehmen will, muss sich an einen der gesondert akkreditierten Registrare wenden; das Auswahlverfahren läuft noch.

Noch nicht ganz ausgeräumt sind Bedenken, wonach die US-Regierung ihr Veto gegen .xxx einlegen und so die Einführung doch noch verhindern könnte. Aktuell bietet die anstehende Verlängerung des IANA-Vertrages eine elegante Möglichkeit, außerhalb des Governmental Advisory Committees Druck auf ICANN aufzubauen. Sollte sich ICANN dem allerdings beugen, dürfte die Selbstverwaltung des Internets mehr als einen leichten Kratzer davontragen.

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