Neue TLDs

kommen .tel, .xxx und .mobi?

Jetzt ist sie raus: die Internet-Regierung ICANN hat eine Liste mit insgesamt zehn Vorschlägen für die Einführung neuer Top Level Domains (TLDs) veröffentlicht. Vor 2005 wird jedoch wohl keine der neuen Endungen erhältlich sein.

Gegen Zahlung einer Gebühr von US$ 45.000,00 konnte sich jedes Unternehmen bis letzte Woche um die Verwaltung einer so genannten »sponsored TLD« bewerben. Darunter versteht man Domain-Endungen wie zum Beispiel .aero und .museum, die im Gegensatz zu unsponsored TLDs nahezu ausschliesslich einer bestimmten Interessengruppe dienen und von dieser auch verwaltet werden. Folgende zehn Vorschläge sind bei ICANN eingegangen: .asia, .cat, .jobs, .mail, .mobi, .post, travel sowie .xxx; um die Endung .tel bewarben sich zwei Unternehmen. Die lange als heisser Favorit gehandelte Endung .health fehlt dagegen in der Bewerberliste.

Als aussichtsreichster Kandidat wird .mobi gehandelt, hinter dessen Sponsor Mobi JV wirtschaftsstarke Unternehmen wie Microsoft, Vodafone, T-Mobile und Samsung stecken. Als Technologiepartner ist .info-Verwalter Afilias im Gespräch. Auch die Endung .travel klopft schon lange an die ICANN-Tür. Wenig Chancen wird dagegen der oft geforderten Endung .xxx eingeräumt, da sich Unternehmen der Erwachsenen-Industrie nicht zwangsläufig in einen eigenen Rotlicht-Bereich abdrängen lassen. Zum anderen herrscht beispielsweise zwischen China oder Saudi-Arabien einerseits und Ländern wie Dänemark andererseits eine höchst unterschiedliche Auffassung darüber, ob und wann bestimmte Inhalte als anstössig zu bewerten sind, und so unter .xxx fallen. Auch für .cat (steht übrigens nicht für das englische »Katze«, sondern für Katalonien) und .jobs bestehen kaum Chancen auf Erfolg. Inwiefern eine Endung wie .tel Sinn macht, solange unterhalb von .arpa intensiv an ENUM-Domains geforscht wird, ist ebenfalls fraglich.

Insgesamt wird die Einführung von sponsored TLDs als kritisch betrachtet. Die sponsored TLDs gelten zwar aufgrund ihrer Vergabebeschränkungen als leicht auf Rechtsverletzungen kontrollierbar. Gerade Endungen wie .aero oder .museum, die ein absolutes Schatten-Dasein fristen und nur Experten bekannt sind, zeigen aber, dass der weltweiten Internet Community mit derartigen Endungen bisher nicht gedient war.

Der weitere offizielle Zeitplan sieht vor, dass von 1. bis 30. April die Bewerbungen öffentlich diskutiert werden. Ab Mai beginnt ICANN mit der intensiven Prüfung. Unklar ist, wie lange die Prüfungsphase andauern wird; eine Einführung dürfte jedoch frühestens 2005 realistisch sein. Offen ist auch, wie viele neue Adressendungen letztlich kommen. ICANN-Boss Vint Cerf selbst hat erst kürzlich in einem Interview erklärt, dass es kein Limit gibt.

Einen Überblick über alle 10 Bewerber mit weiterführenden Links finden Sie hier.

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