.name

sicherer Hafen für böse Buben?

Global Name Registry (GNR), Verwalter der im Jahr 2000 eingeführten Top Level Domain .name, hat die Abfrage von WHOIS-Daten kostenpflichtig gemacht. Experten befürchten, dass .name mit diesem Schritt zum sicheren Hafen für Cyberkriminelle werden könnte.

Grössere öffentliche Bekanntheit ist der Endung .name bisher verwehrt geblieben, doch das könnte sich jetzt ändern. Wer in Zukunft das öffentliche WHOIS-Verzeichnis nutzt, um herauszufinden, wem eine .name-Domain gehört, wird hierfür zahlen müssen. Aktuell bietet GNR bereits eine kostenfreie WHOIS-Abfrage, über die kaum mehr herauszufinden ist, als wann eine Webadresse unter .name registriert wurde, über welchen Registrar die Anmeldung erfolgt ist und welche Name Server Einträge hinterlegt sind; Angaben zur Person des Domain-Inhabers sind dagegen nicht mehr einsehbar. Wer da nun detaillierte Informationen angefangen über den Namen, über die Anschrift und die Telefon- und Faxnummer nebst eMail-Adresse des Domain-Inhabers wünscht, muss sich über ein Passwort Zugang zur WHOIS-Datenbank erkaufen. Fünf solcher Passwörter kosten insgesamt US$ 2,- und gelten lediglich 24 Stunden. Wer sich also durch eine .name-Domain in Markenrechten verletzt sieht, muss erst über ein gekauftes Passwort den Domain-Inhaber ausfindig machen.

Hakon Haugnes, Gründer und Präsident von GNR, hat diese Änderung in einer öffentlichen Stellungnahme als Kompromiss zwischen dem Datenschutzrecht der EU und der „WHOIS lookup policy“ von ICANN bezeichnet. Mit Hilfe der öffentlich zugänglichen Informationen, dem Namen des Registrars und den Daten des Name Servers könne eine Domain vorübergehend vom Netz genommen und so eine Rechtsverletzung unterbunden werden; wer weitergehende Informationen benötigt, kann sich laut Haugnes entweder kostenpflichtig Zugang verschaffen oder eine Vereinbarung mit GNR schließen, die ihm jederzeitigen Zugriff erlaubt. Dies würde den unterschiedlichen Bedürfnissen, einerseits Domains ohne die Preisgabe persönlicher Informationen zu registrieren und andererseits Rechtsverletzungen problemlos verfolgen zu können, am besten gerecht.

Sicherheitsunternehmen haben bereits heftig gegen diese Änderung protestiert. So warnt Gadi Evron davor, dass .name damit zum sicheren Hafen für böse Buben wird; Paul Ferguson von Trend Micro hat vergangene Woche bereits erste Anzeichen für Schadsoftware ausgemacht. Karen Lentz von ICANN bestätigte jedoch auf Nachfrage, dass sich GNR innerhalb bestehender Verträge bewegen würde. Ob .name ein Einzelfall bleibt oder auch andere TLD-Verwaltungen WHOIS-Informationen kostenpflichtig machen, ist nicht abzusehen.

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