ICANN-Studie

nTLDs werden beim Publikum bekannter

Die breite Öffentlichkeit weiss um nTLDs, schenkt ihnen jedoch noch kein großes Vertrauen – zu diesem Ergebnis kommt eine von ICANN in Auftrag gegebene Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen.

Im Herbst 2015 hatte sich ICANN erstmals an die Öffentlichkeit gewandt, um Domain-Inhaber und Internetnutzer nach ihren Erfahrungen mit nTLDs zu befragen. Die zweite Umfrage setzt nun bei den Ergebnissen an, wobei dieses Mal 5.452 Teilnehmer im Alter von mindestens 15 Jahren aus 24 Ländern verteilt über Europa, Asien, Afrika und Nord- sowie Südamerika befragt wurden. Danach haben 52 Prozent der Befragten inzwischen von mindestens einer nTLD etwas gehört; damit hat sich die »awareness« gegenüber jenen 46 Prozent aus dem Jahr 2015 leicht erhöht; vor allem in Europa war der Anstieg von 33 auf 45 Prozent signifikant. Bekannteste Endung ist dabei .news mit 33 Prozent Bekanntheit vor .email (32 Prozent) und .online (30 Prozent). Zum Vergleich: die Endung .com erreicht eine Bekanntheit von 95 Prozent, .net immerhin 88 Prozent. Dabei konnten die beiden »legacy TLDs« gegenüber der ersten Umfrage nochmals an Bekanntheit zulegen. Zudem ist die Zahl der Besucher eines Angebots unter einer nTLD deutlich gesunken; waren es 2015 noch 65 Prozent, meldet Nielsen jetzt einen Wert von 50 Prozent.

Kritiker bemängeln, dass der Aussagewert der Studie bescheiden sei. So habe .xyz eine »awareness« von 9 Prozent; tatsächlich ist sie mit knapp 6,5 Millionen Domains jedoch die mit deutlichem Abstand am meisten registrierte nTLD. Dagegen kommt .news trotz der hohen Bekanntheit aktuell nur auf etwa 77.000 Registrierungen, email gar nur auf rund 55.000. Wären die Endungen wirklich so bekannt, würde man erwarten, dass es Domains gibt, die weithin bekannt oder bei Google bzw. Alexa prominent platziert sind; das dürfte weder bei .news noch bei .email tatsächlich der Fall sein.

Wenig erfreuen dürfte ICANN, dass rund ein Drittel der Befragten keine Ahnung hat, warum nTLDs überhaupt eingeführt wurden. Dabei waren Steigerung des Wettbewerbs und Schaffung von mehr Auswahl für die Verbraucher zentrale Argumente, mit denen eine Erweiterung des Domain Name Systems begründet wurde. Folglich beklagten sich auch nur 11 Prozent über den Mangel an attraktiven Adressen; 18 Prozent gehen dagegen davon aus, dass mit den nTLDs mehr Struktur im Netz geschaffen werde. Vor allem erwarten die Nutzer einen Zusammenhang zwischen einer Domain-Endung und dem dort erreichbaren Inhalt. Dabei mag allerdings ein gewisser Trost sein, dass 81 Prozent der Befragten die Domain berlin.com besuchen würden; bei info.berlin wären es lediglich 60 Prozent bei berlin.de sogar nur 54 Prozent. Zusammenfassend scheint die Domain Name Industry also noch viel Arbeit vor sich zu haben, bis auch dem letzten Internetnutzer bekannt ist, welche Möglichkeiten die neuen Endungen bieten. Massenhaftes Parking von Domains mit neuer Endung mag dabei kurzfristig die Taschen der Registries füllen; langfristig ist es der falsche Weg.

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