.org

PIR sucht neue Back-End Registry

Public Interest Registry, Verwalterin der renommierten Top Level Domain .org, sucht eine neue Back-End Registry: praktisch aus dem Nichts veröffentlichte PIR ein »Request for Information«. Hat man sich etwa mit Afilias überworfen?

Die Mitteilung vom 16. Februar 2016 klingt zunächst nüchtern: PIR, die gemeinnützige Verwalterin der Domain-Endungen .org, .ngo und .ong, gibt die bevorstehende Veröffentlichung eines »Request for Information« für die Vermittlung der »back-end registry services« bekannt. Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 habe sich PIR eine Reputation als Musterbeispiel für eine Organisation erarbeitet, die sich zum Vorteil der globalen »noncommercial community« auf eine effektive Nutzung des Internets fokussiert habe. Doch bereits der dritte Satz birgt Sprengstoff: PIR wünsche sich eine qualifizierte Back-End Registry, die eine ähnliche Reputation geniesse und sich selbst operativen und ethischen Standards verpflichtet fühle; konkret wünscht man sich einen »valued business partner«. Spätestens jetzt stutzen Branchenkenner, denn bisher hat Afilias die Aufgabe als Back-End Registry für .org inne – also jenes Unternehmen, das schon zum Teil seit vielen Jahren Endungen wie etwa .info, .mobi, .pro, .asia und .xxx erfolgreich verwaltet.

Der Vertrag als Back-End Registry für .org mit seinen derzeit rund 10,9 Millionen registrierten Domains gilt als lukrativ. So soll PIR mit .org jährliche Einnahmen von US$ 80 Millionen erzielen; davon gehen geschätzte US$ 33 Millionen an die Back-End Registry und weitere US$ 30 Millionen an die Internet Society (ISOC). Pro .org-Domain gehen also etwa US$ 3,– an Afilias, bei zahlreichen neu eingeführten Top Level Domains liegt dieser Anteil dagegen nur bei etwa US$ 1,–, so dass .org eine Art »cash cow« für Afilias geworden ist. Darin dürfte das wahre Motiv für die Ausschreibung liegen: wenn es PIR gelingen sollte, den Anteil für die Back-End Registry zu drücken, würde mehr in der eigenen Tasche hängen bleiben. Demnach beeilte sich Afilias auch, in einer eigenen Mitteilung jeden Eindruck zu vermeiden, dass es zu Streit mit PIR gekommen sein könnte. Man habe mit dem »Request for Information« gerechnet und man freue sich, demonstrieren zu dürfen, dass die eigenen Produkte und Dienstleistungen auch künftig die beste Option für PIR darstellen.

PIR betont in seiner Pressemitteilung allerdings offenbar vorbeugend, dass der Preis allein nicht der entscheidende Faktor ist. Es gehe vielmehr darum, eine »best value«-Lösung zu finden. Interessierte und qualifizierte Organisationen werden ermutigt, ihre Teilnahme bis 4. März 2016 zu hinterlegen. Allgemein wird erwartet, dass sich neben Afilias unter anderem die .biz-Registry Neustar bewerben wird, aber auch die .uk-Verwalterin Nominet wird gehandelt. Unwahrscheinlich ist, dass eine neue Back-End Registry den Zuschlag erhält; das Risiko dürfte für PIR viel zu groß sein, dass es beim Stabwechsel zu technischen Schwierigkeiten kommt, die .org nachhaltig beschädigen könnten.

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