Umbruch

Minds+Machines feuert Van Couvering

»I got fired« – mit diesen knappen Worten gab Antony Van Couvering, Gründer und CEO des Registry Service Providers Minds+Machines, am 22. Februar 2016 seinen Rausschmiss bekannt. Einmal mehr wird damit deutlich, dass sich die Domain Name Industry im Umbruch befindet.

Der IT- und Domain-Experte Van Couvering hatte Minds+Machines im Jahr 2008 gemeinsam mit Elaine Pruis und Jothan Frakes gegründet. Bereits kurze Zeit später wurde man von Top Level Domain Holdings übernommen, das sich in Minds+Machines Group umbenannte; seither fungierte Van Couvering als CEO und wurde so zum öffentlichen Gesicht des Unternehmens, das 2012 mit einer Vielzahl von Bewerbungen um neue Domain-Endungen wie etwa .app, .art, .blog, .book, .eco, .hotel, .law, .spa und .vip auf sich aufmerksam machte. Minds+Machines tritt dabei dank einer neuen ICANN-Regelung als so genanntes vertikal integriertes Unternehmen auf. Dies gestattet es, sowohl als Registry als auch als Registrar zu agieren; beide Funktionen waren bis zum Start des nTLD-Programms strikt voneinander zu trennen.

Darin scheint auch der Grund für Minds+Machines zu liegen, sich von Van Couvering zu trennen. Offenbar gab es unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Unternehmens; Van Couvering soll sich schon seit geraumer Zeit dafür eingesetzt haben, Domains mit neuer Endung direkt an Endkunden zu verkaufen, während es bisher üblich war, diese Aufgabe den Domain-Registraren zu überlassen. Darauf deutet zumindest das Schreiben hin, das Van Couvering veröffentlicht hat. So weist er darauf hin, dass die Nachfrage nach nTLDs hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Viele Registrare würden nTLDs jedoch nur dann unterstützen, wenn es sich um .com-Klone handelt. Dabei sei eine Registry eine ausgezeichnete, langfristig angelegte Geschäftsmöglichkeit. Minds+Machines beeilte sich hingegen, darauf hinzuweisen, dass man sich ausschließlich als Registry verstehe und man partnerschaftlich mit den Registraren als den Vertriebsunternehmen zusammenarbeiten wolle. Ausserdem gab man bekannt, dass Toby Hall zum neuen CEO ernannt wurde; Hall hatte bei Minds+Machines erst im Januar 2016 das Amt des Chief Marketing Officer übernommen.

Der Rauswurf von Van Couvering verstärkt den Eindruck, dass der Wind in der Domain-Branche stürmischer bläst. So verdankt nicht nur Minds+Machines einen Großteil der bisherigen Einnahmen jenen nTLD-Auktionen, bei denen man freiwillig den Kürzeren gezogen hat; bei .latino, .school sowie einer weiteren namentlich nicht bekannten Endung waren es immerhin US$ 4,4 Millionen. Dauerhaft lässt sich auf diese Weise aber kein Geschäft machen. Ausserdem blieben viele Endungen hinter den Erwartungen zurück; so kommt etwa .nrw nur auf rund 10.000 Domain-Registrierungen. Diese Faktoren dürften Investoren nicht fröhlich stimmen, und erst recht nicht, wenn sie – wie Minds+Machines – börsennotiert sind. Dem gegenüber ist Van Couvering zuzustimmen, dass Domains ein langfristiges Geschäft sind – bleibt abzuwarten, wer die nötige Geduld mitbringt.

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