.sucks

US-Kongress rudert zurück

Vox Populi Registry Inc., Verwalterin der umstrittenen Top Level Domain .sucks, kann aufatmen: nach einer Anhörung vor dem US-Kongress kann die Live-Phase wohl wie geplant starten. Vorsorglich holte man aber gleich zum Gegenschlag aus.

Für den 13. Mai 2015 hatte das »House Subcommittee on Courts, Intellectual Property and the Internet« des US-Kongresses eine Anhörung mit dem Titel »Stakeholder Perspectives on ICANN: The .sucks Domain and Essential Steps to Guarantee Trust and Accountability in the Internet’s Operation« angesetzt. Wie der Vorsitzende Darrell Issa betonte, wolle er herausfinden, welche Lehren zu ziehen seien, bevor Top Level Domains wie .porn, .sucks oder .ihatecongress eingeführt werden. Die Frage sei, ob man sich auf ein Geschäftsmodell eingelassen habe, dass so nie geplant gewesen sei. Damit gab er die Linie vor: es ging ausschließlich um Konsequenzen für die Zukunft; die Einführung von .sucks selbst steht nicht zur Debatten. So konnte etwa Jerry Nadler darauf verweisen, dass es über 65.000 .com-Domains gäbe, die das Wort »sucks« enthielten; wer .sucks beanstandet, müsse auch diese Domains in Frage stellen. Dass bei .sucks allerdings erst das Preismodell mit Gebühren von US$ 2.499,– und mehr im Jahr pro .sucks-Domain allein in der Sunrise-Phase Auslöser für Diskussionen war, geriet so in den Hintergrund. Erst Phil Corwin von der Internet Commerce Association brachte die Diskussion wieder in die Bahn; so sei darrellissasucks.com bereits für US$ 9,99 jährlich erhältlich, nicht für US$ 2.499,–. Dabei beließ es der US-Kongress dann aber; verbindliche Entscheidungen wurden vorerst nicht getroffen.

Da sich Vox Populi auf die Anhörung nicht verlassen wollte, hat man unmittelbar davor am 11. Mai 2015 mit einem offenen Brief die Internet-Verwaltung ICANN heftig attackiert. Über die US-Kanzlei Fish & Richardson P.C. drohte die Registry unverhohlen mit einer Klage, sollte ICANN weiterhin Aktivitäten entfalten, mit denen man von einem regulären Betrieb abgehalten werde. Damit spielen die Juristen auf ein ICANN-Schreiben an, mit dem die US Federal Trade Commission (FTC) als auch das kanadische Office of Consumer Affairs (OCA) um Prüfung gebeten wurden, ob das Preismodell von Vox Populi gegen gesetzliche Vorschriften verstößt; eine offizielle Stellungnahme gibt es von dort aber bisher nicht. Vox Populi betont hingegen, dass sich die Gebühren im Rahmen dessen bewegen, was einem fairen Marktwert entspreche. Nicht ohne Ironie ist festzustellen, dass sich Vox Populi in seinem Schreiben nochmals ausdrücklich auf das Recht der freien Meinungsäußerung beruft; ICANN selbst will man dieses Recht aber offenbar absprechen.

Ob die anhaltenden Debatten .sucks schaden oder – getreu dem Motto »bad news is good news« – sogar noch mehr Registrierungen bringt, bleibt abzuwarten. Bisher gibt es nur eine einzige .sucks-Domain; zur Zahl der Sunrise-Domains schweigt sich Vox Populi bisher aus. Näheres wissen wir Anfang Juni 2015: am 1. Juni 2015 beginnt die Phase der Live-Registrierung.

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