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Streit um .web-Auktion wird von VeriSign und Afilias fortgesetzt

Der Streit zwischen Afilias und VeriSign um die neue Top Level Domain .web eskaliert: anlässlich des ICANN-Meetings im indischen Hyderabad überschütteten sich die beiden Registries mit wechselseitigen Vorwürfen.

Eigentlich schien alles klar: am 28. Juli 2016 hatte er US-amerikanische Domain-Neuling Nu Dot Co LLC im Rahmen einer von ICANN veranstalteten »auction of last resort« nach 23 Bieterrunden den Registry-Vertrag für .web für die neue Rekordsumme von US$ 135 Mio. ersteigert. Gleich sechs Mitkonkurrenten hatte man dabei hinter sich gelassen. Doch damit fing der Streit erst an: da Nu Dot Co mit der .com- und .net-Registry VeriSign Inc. einen finanzstarken, aber nicht offengelegten Partner im Rücken hatte, erhob die unterlegene Donuts-Tochter Ruby Glen LLC wegen Verletzung der Regelungen des Bewerberhandbuchs eine Schadensersatzklage gegen ICANN.

Und auch Afilias, ebenfalls unterlegener Mitbewerber, will die Niederlage nicht auf sich sitzen lassen. Unter der Überschrift ».web is ICANN’s First Test of Accountability« veröffentlichte Jonathan Robinson, Executive Chairman von Afilias, einen Blog-Artikel, in dem er ICANN dazu aufforderte, Nu Dot Co zu disqualifizieren. Zur Begründung führt er an, dass sich alle .web-Bewerber am 11. Mai 2016 darauf verständigt hatten, die künftige Registry für .web im Rahmen einer privaten Auktion zu ermitteln; der Erlös wäre sodann unter den Verlierern verteilt worden. Wenige Wochen vor der für 15. Juni 2016 angesetzten privaten Auktion habe sich Nu Dot Co mysteriöserweise zurückgezogen, so dass es zu der ICANN-Auktion kam – mit der Folge, dass nicht die Mitbewerber, sondern ICANN den Millionenerlös einstrich. Für Afilias sei das Vorgehen von VeriSign ein klarer Verstoss gegen die Regelungen des Applicant Guidebook, da intransparent und eine Beschädigung für die ehrlichen Bewerber. Würde ICANN dies tolerieren, käme dies einer Einladung zur Umgehung der Bewerberregeln in kommenden Einführungsrunden gleich, da davon auszugehen sei, dass sich die Marktteilnehmer mit der größten Finanzmacht durchsetzen könnten. Das liefe den erklärten Zielen der Steigerung des Wettbewerbs und der Verbraucherauswahl zuwider. Nu Dot Co müsse daher disqualifiziert werden.

Die Kritik von VeriSign ließ nicht lange auf sich warten. In wiederum einem Blog-Artikel warfen Paul Livesay, VP und Counsel bei Verisign, und Jose Ignacio Rasco (Nu Dotco LLC) Afilias vor, dass es dem Unternehmen lediglich darum ginge, zu Lasten der Community ein großes Stück vom Versteigerungserlös abschneiden zu dürfen. Nu Dot Co werde weiterhin von den selben Gesellschaftern und Geschäftsführern geleitet, die in den Bewerbungsunterlagen angegeben sind. Dies habe auch ein Gericht festgestellt, das einem Antrag von Ruby Glen LLC auf Versagung des Zuschlags in einem einstweiligen Verfügungsverfahren abgelehnt hatte. Es gehe Afilias mitnichten darum, den Wettbewerb oder die Verbraucherauswahl zu steigern; man wolle lediglich die eigenen Finanzen aufbessern. Die Position von Afilias beruhe daher auf Ablenkung, Rauch und zynischem Eigeninteresse.

ICANN selbst hält sich derzeit bedeckt und verweist darauf, dass die Prüfung andauert. In der Tat: die offizielle Bewerberdatenbank führt die .web-Bewerbung von Nu Dot Co mit dem Vermerk »In Contracting« und »On Hold«. Folglich ist die Delegierung, also die Eintragung von .web in die Root Zone, ebenso bisher nicht erfolgt. Den Schaden hat schon jetzt die Community: bis wann die ersten .web-Domains registriert werden können, ist derzeit noch völlig offen.

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