nTLDs

Störfeuer durch US-Kongress

Der Internet-Verwaltung ICANN und ihren Plänen zur Einführung neuer Top Level Domains bläst eisiger Wind aus dem US-Kongress entgegen: in einem Brief an ICANN-CEO Rod Beckstrom warnen die beiden Republikaner Lamar Smith und Howard Coble vor ernsthaften negativen Konsequenzen für Unternehmer und Verbraucher in den USA.

In dem vierseitigen Schreiben vom 15. September 2009, dessen Kopie inzwischen veröffentlicht ist, stellen Smith und Cole eine Vielzahl von aktuellen ICANN-Projekten in Frage. So zeigen sie sich etwa besorgt, dass eine Vielzahl neuer TLDs zahlreiche Unternehmen zwingen würde, zum Schutz vor Rechtsverletzungen Domains defensiv zu registrieren. Dabei bemängeln sie, dass Preisobergrenzen für Gebühren fehlen, so dass bekannte Unternehmen eventuell gezwungen wären, höhere Gebühren für ihre Domains zu bezahlen. Auch fehle es an dem Nachweis einer wirtschaftlichen Rechtfertigung der Expansion; der bisher einzige dazu vorliegende Report sei mangels empirischer Untersuchung weithin kritisiert worden. Zwar erkenne man die Bemühungen unter anderem durch das Implementation Recommendation Team (IRT) an; dieses sei jedoch erst auf öffentlichen Druck installiert worden.

Angesichts der verspäteten Berücksichtigung von Interessen der Inhaber geistigen Eigentums, dem Fehlen fundierter Analyse zur Erweiterung des Namensraumes und der alles andere als glanzvollen Historie ICANNs bei anderen Projekten wie den WHOIS-Daten hat man ernsthafte Zweifel an der Fortsetzung des Joint Project Agreements (JPA) mit dem US-Wirtschaftsministerum, das Ende September ausläuft. Smith und Coble legen ICANN daher einen Fragenkatalog vor, den sie bereits bis zum 22. September 2009 geklärt wissen wollten. Konkret fragen sie unter anderem, welche Empfehlungen des IRT man umsetzen wird und warum man dies nicht vor dem 30. September veröffentlicht. Weiter fragt man, ob ICANN eine umfassende empirische Untersuchung einholt, welche Auswirkungen neue TLDs auf den Wettbewerb haben werden.

Die ersten Reaktionen der Domain Name Industry auf das Schreiben fallen negativ aus. So erwartet zum Beispiel Ron Jackson von dnjournal.com, dass sich der Einführungsprozess somit weiter verzögert. War bisher frühestens das zweite Quartal 2010 als Starttermin realistisch, habe man hierbei ein Einschreiten des US-Kongresses nicht berücksichtigt. Richard Tindal vom Registrar eNom kritisierte manche Annahmen als falsch; so führe eine Verdopplung der Zahl der Domains nicht zur Verdopplung von Cybersquatting, da nur eine bestimmte Menge Traffic und Geld im Markt vorhanden sei. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Smith und Coble so kurz vor Ende des JPA lediglich den politischen Druck auf ICANN erhöhen wollen, um sich eine günstigere Verhandlungsposition zu sichern. Rod Beckstrom bläst jedenfalls gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein eisiger Wind ins Gesicht.

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