nTLDs

Spekulations-Endung .spreadbetting: einzelne Domains kosten US$ 30.000,–

Sie suchen ein exklusives Weihnachtsgeschenk? Das Beste ist gerade gut genug? Zumindest wenn Sie Finanzdienstleister sind, könnten Sie eine Registrierung unter der Domain .spreadbetting in Betracht ziehen. Einen mittleren fünfstelligen Betrag müssten Sie dafür aber schon einplanen.

Über 800 neue Top Level Domains sind inzwischen delegiert, und über zehn Millionen Domain-Registrierungen zeigen, dass sie am Markt gefragt sind. Den zahlenmäßig grössten Erfolg verbuchen bisher Endungen wie .xyz, .top oder .wang, die für geringe Gebühren von schon unter EUR 20,- im Jahr erhältlich sind. Allerdings gibt es auch deutlich teurere Endungen wie zum Beispiel .car, .sucks oder .rich, die drei- oder vierstellige Beträge im Jahr kosten. Die Höhe der Gebühren soll oft den exklusiven Charakter einer nTLD unterstreichen. Den sprichwörtlichen Vogel will aber offenbar die Londoner IG Group Holdings PLC, ein Anbieter für Differenzkontrakte und andere derivative Finanzprodukte, abschiessen: wer eine Domain unter der von ihr verwalteten Top Level Domain .spreadbetting registrieren will, muss US$ 30.000,- auf den Tisch legen – pro Jahr.

Unter »spread betting« versteht man laut Wikipedia »das Handeln von Finanztiteln mit mehr oder weniger starkem Hebel, ohne die Finanztitel tatsächlich zu halten«. Der Ertrag für einen Spreadbetting-Anbieter generiert sich aus dem Unterschiedsbetrag (in englisch: »spread«) zwischen dem Ankaufs- und Verkaufskurs. Angesichts des damit verbundenen Geschäftsmodells steht die Registrierung unter .spreadbetting nur einem eingeschränkten Personenkreis offen: künftige Domain-Inhaber müssen eine Genehmigung der Londoner Financial Conduct Authority (FCA) vorweisen, dass sie im Bereich »spread betting« tätig sein dürfen. Möglicherweise geht es der IG Group aber gar nicht um möglichst viele Registrierungen. Den bei ICANN eingereichten Bewerbungsunterlagen lässt sich entnehmen, dass die Registry ursprünglich Domain-Namen unter .spreadbetting nur für sich selbst oder für verbundene Unternehmen registrieren wollte; damit war ICANN nicht einverstanden, da man die Monopolisierung eines Gattungsbegriffes befürchtete. Daher nutzte die IG Group eine Lücke im Regelwerk: bei der Höhe der Gebühren ist die Registry frei. Damit wird eine grundsätzlich offene nTLD praktisch zur zugangsbeschränkten Endung.

Bisher scheint sich dieses Vorgehen auszuzahlen: die Statistiker von ntldstats.com verzeichnen bisher nur sieben registrierte .spreadbetting-Domains. Sie sind alle direkt über die Registry registriert, obwohl sie Registrare wie 101domain.com durchaus im Angebot führen – für US$ 30.000,– im Jahr. Wer es etwas günstiger mag: andere Domains der IG Group wie .broker sind bereits für Gebühren zwischen US$ 600,– bis 750,– erhältlich.

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