nTLDs

ICANN lehnt Benennung eines Starttermins für 2. Runde ab

Dr. Stephen Crocker, Vorsitzender des ICANN Board of Directors, hat die Diskussionen um fixes Startdatum für die nächste nTLD-Einführungsrunde beendet: in einem Schreiben an die Registries Stakeholder Group (RySG) lehnte er jede konkrete Festlegung ab.

Im Juni 2017 hatte sich die RySG, der Interessensverband generischer Domain-Verwaltungen innerhalb ICANNs an die ICANN-Führung unter Crocker und CEO Göran Marby gewandt und mit Nachdruck gefordert, das Bewerbungsfenster um neue Top Level Domains spätestens im vierten Quartal 2018 wieder zu öffnen. Seit 2015 liege ICANN ein überarbeitetes Arbeitspapier für die Vorbereitung der nächsten Runde vor. Die Registries selbst hätten vier Felder ausgemacht, in welchen ohne größere Verzögerungen Fortschritte gemacht werden können, nämlich »application procedures, the objection process, strings and community applications«. Parallel unterbreitete die RySG konkrete Änderungsempfehlungen; so sollten die nTLD-Bewerber beispielsweise berechtigt sein, die von ihnen gewünschte Zeichenkette nachträglich zu ändern. Auf rund 18 Seiten begründete die RySG im Detail, warum ein längeres Zuwarten nicht zumutbar sei.

Doch all diese Bemühungen verpufften: mit Schreiben vom 26. Juli 2017 wies Crocker den Wunsch nach einem konkreten Startdatum zurück und brachte so alle Hoffnungen auf einen raschen Beginn zum Platzen. Er benannte vier Schritte, die absolviert werden müssen, bevor man über die nächste nTLD-Runde nachdenken könne:

  • eine Überprüfung der Effekte des nTLD-Programms auf den Betrieb des DNS Root-Systems
  • eine Überprüfung des Trademark-Clearinghouse
  • eine Überprüfung des Uniform Rapid Suspension (URS) Systems
  • eine Überprüfung des Einflusses des nTLD-Programms auf Wettbewerb, Verbrauchervertrauen und Verbraucherauswahl

Bisher seien nur die ersten drei Überprüfungen abgeschlossen, außerdem warte man noch auf den Bericht der »Subsequent Procedures PDP Working Group«. Den weiteren nTLD-Fahrplan skizziert Crocker wie folgt:

Once the community completes its work, the Board will consider the community’s recommendations to introduce additional new gTLDs. Without the final findings and recommendations from the review and PDP, the Board won’t be able to determine what needs to be done prior to the opening of another application process.

Die Festlegung eines konkreten Termins durch das ICANN-Board stehe in Widerspruch zum Multistakeholder-Prozess der Netzverwaltung, der es der Community überlässt, die notwendigen Diskussionen zu führen, um eine Einigkeit zu erzielen, und den zeitlichen Rahmen ihrer Arbeit selbständig festzulegen.

In der Praxis ist der Starttermin für die nächste Runde damit auf unbestimmte Zeit verlegt. Die »Subsequent Procedures PDP Working Group« wurde im Januar 2016 ins Leben gerufen. Obwohl ihr über 160 Freiwillige angehören, befindet sich ihre Tätigkeit noch in der Anfangsphase; in mehr als 30 Bereichen, aufgeteilt in vier »work tracks«, arbeitet man aktuell an konkreten Ergebnissen. Bis wann diese vorlegen, ist nicht abzusehen. Sollte nichts unvorhergesehenes passieren, erscheint ein Beginn der nächsten nTLD-Runde vor dem Jahr 2020 derzeit als wenig realistisch.

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