nTLDs

Ferrero setzt sich mit .kinder durch

Die Luxemburger Ferrero Trading Lux S.A. hat sich mit ihrer Bewerbung um die neue Top Level Domain .kinder durchgesetzt: am 9. Oktober wurde die Endung in die Root Zone eingetragen. Das Nachsehen hat der Deutsche Kinderschutzbund, dessen Protest zu spät kam – zumindest vorerst.

Im Juni 2012 wurde erstmals bekannt, dass sich Ferrero bei der Internet-Verwaltung ICANN um den Betrieb der drei Domain-Endungen .ferrero, .rocher und .kinder beworben hat. Knapp zwei Jahre später erhob der Deutsche Kinderschutzbund öffentlich Protest gegen die Einführung von .kinder. Ekkehard Mutschler, Jugendmedienbeauftragter des Deutschen Kinderschutzbundes, verwahrte sich dagegen, dass .kinder für werbliche Zwecke benutzt wird; der Begriff »Kinder« werde als Handelsobjekt missbraucht. Seine damaligen Vorwürfe richten sich auch gegen die Bundesregierung; seiner Ansicht nach hätte das Familienministerium verhindern müssen, dass .kinder exklusiv an ein Unternehmen geht. ICANN liess die Vorwürfe nicht gelten. Das nTLD-Programm sehe verschiedene Mechanismen für die Community vor, ihre Meinung einzubringen, zum Beispiel über das »Application Comment Forum« oder die diversen Beschwerdeverfahren. Vor allem aber habe das Einschreiten des Governmental Advisory Committee (GAC) bereits dazu geführt, dass Sicherheitsvorkehrungen eingeführt wurden, um den Bedenken der Regierungen Rechnung zu tragen. Da die Bundesregierung nicht bzw. rechtzeitig gegen .kinder vorgegangen sei, werde ICANN selbst nichts weiter unternehmen.

Ob es hinter den Kulissen noch Versuche gab, .kinder zu verhindern, ist öffentlich nicht bekannt. Selbst wenn, waren sie vergeblich: seit dem 9. Oktober 2015 ist .kinder delegiert und in die Root Zone eingetragen. Da die Endung als Marken-Endung exklusiv von Ferrero genutzt wird, ist eine allgemeine Registrierung für die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Aktuell gibt es lediglich zwei Domains, darunter die obligatorische nic.kinder; dort findet sich bereits eine Website, die auf zahlreiche Produkte des Süsswarenherstellers verweist. Ganz geschlagen will sich der Deutsche Kinderschutzbund jedoch noch nicht geben. Wie heise.de meldet, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Deutsche Kinderschutzbund arbeite an einem breiten Bündnis aus verschiedenen Kooperationspartnern, das in den nächsten Wochen oder Monaten an Ferrero herantreten werde.

Ob die Aufregung um .kinder gerechtfertigt ist, muss jedoch ohnehin bezweifelt werden. Erst im September 2015 hat sich Neustar Inc., Registry der Länderendung .us, von dem Vorhaben verabschiedet, den Namensraum unter .kids.us wiederzubeleben. Im Jahr 2012 waren nach unbestätigten Meldungen nur einige hundert Domain-Namen unter .kids.us registriert. Dessen ungeachtet gibt es mit .kid und der Mehrzahl-Variante .kids mindestens eine weitere kinderbezogene nTLD, die (voraussichtlich erst nach einer Auktion) eingeführt werden soll. Dementsprechend entspannt ist Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

In der TLD .kinder sehe ich erst einmal per se keine Irreführung. Wir müssten uns dann anschauen, was auf den konkreten Webseiten tatsächlich passiert.

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