nTLD-Programm

US-Senat fordert mehr Zeit

Rückschlag für ICANN: konnte die Internet-Verwaltung eine Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Senats noch zu ihren Gunsten verbuchen, dürfte eine weitere Anhörung vor dem „Energy & Commerce Committee“ negativ ausgefallen sein. Einmal mehr mahnte der Senat mehr Zeit für das TLD-Programm an.

Bereits zum zweiten Mal binnen einer Woche hatte der US-Senat geladen, um sich diesmal vor dem „Energy & Commerce Committee“ intensiv mit ICANNs TLD-Programm zu befassen. Und erneut versammelte sich ein illustrer Kreis von Kritikern wie Befürwortern: Fiona Alexander (National Telecommunications and Information Administration), Joshua S. Bourne (Coalition Against Domain Name Abuse), Thomas Embrescia (Employ Media), Anjali Hansen (Better Business Bureaus), Daniel L. Jaffe (Association of National Advertisers) sowie Kurt Pritz (Senior Vice President ICANN); die Zahl der TLD-Kritiker überwog also. Doch anders als zuvor zeigten sich auch die Senatoren weitaus kritischer. »I don’t think this is ready for prime time,« hielt die demokratische Senatorin Anna Eshoo (Kalifornien) mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, der sich die republikanische Senatorin Doris Matsui (ebenfalls Kalifornien) sogleich anschloss. Ein weiterer Senator wies darauf hin, dass ICANN bisher den Nachweis schuldig geblieben sei, dass es einer Erweiterung des Namensraumes überhaupt bedürfe. Obwohl Pritz darauf hinwies, dass man seit sieben Jahren an dem Programm arbeite, waren sich die Senatoren einig: es benötigt mehr Zeit.

Andere Töne waren außerhalb der Anhörung von Larry Strickling zu hören, dem einflussreichen Direktor der National Telecommunications and Information Administration, die als Teil des US-Wirtschaftsministeriums als eine Art Aufsicht über die Internet-Verwaltung fungiert. Er gab an, dass die US-Regierrung das TLD-Programm nicht blockieren werde, und warnte eindringlich davor, das »Multi Stakeholder Modell« von ICANN zu gefährden. Und wie schätzt man bei ICANN selbst die Lage ein? Aufschluss gab eine Telefonkonferenz der Generic Names Supporting Organization (GNSO) am vergangenen Donnerstag, zu der auch Pritz geladen war. Nach seiner Einschätzung sei die erste Anhörung für ICANN besser gelaufen als die zweite; konkret befragt, ob er mit einer Verschiebung des TLD-Programms rechne, antwortete er kryptisch: »The risk is greater than zero«. Möglicherweise folgt nun eine dritte Anhörung vor dem US-Senat; Details waren bisher aber nicht zu erfahren.

Kaum für Begeisterung bei ICANN gesorgt haben dürfte schliesslich ein Vorschlag der U.S. Federal Trade Commission. In einem Schreiben an die ICANN-Führung vom 16. Dezember 2011 forderte sie mehr Schutz für Verbraucher einschließlich Verbesserungen beim WHOIS an. Nach Ansicht der Kommission führen mehr Domain-Endungen zu mehr Betrügereien im Internet; einen Vorschlag, das zu lösen, hat man auch parat: ICANN solle die Zahl der neu eingeführten Domain-Endungen in der ersten Runde begrenzen, wobei eine Verdopplung der bisherigen Zahl bereits einer aggressiven Erweiterung gleichkäme. Mit anderen Worten: ICANN soll höchstens 22 neue Top Level Domains einführen. Wie ICANN hierauf reagiert, ist bisher nicht überliefert.

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