IID

Droht den nTLDs beispiellose Pleitewelle?

Das US-amerikanische Cybersecurity-Unternehmen Internet Identity (IID) geht davon aus, dass hunderte neu eingeführter Top Level Domains wieder aus dem Netz verschwinden. Die Einschätzung hat Gewicht, da ein DNS-Insider zu ihren Verfassern gehört.

Rund 830 nTLDs sind inzwischen delegiert, und über 10,5 Millionen Domains mit neuer Endung registriert. Für IID ist das aber kein Zeichen für Erfolg, im Gegenteil. Am 1. Dezember 2015 gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt, dass seiner Einschätzung nach viele dieser nTLDs ebenso wie Internetangebote und andere Dienstleistungen, die mit nTLDs in Zusammenhang stünden, ein kurzes Leben bevorstünde. Zur Begründung verwies IID darauf, dass die Akzeptanz für nTLDs weit geringer sei als ursprünglich angenommen. IID geht davon aus, dass die mangelnde Nachfrage zu einer »noch nie dagewesenen« Serie von Pleiten unter nTLD-Registries führt, die sich 2017 in Insolvenzen und Stilllegungen niederschlägt. »Die meisten nTLDs haben den Start verpasst, und viele von ihnen sind zudem derart von betrügerischen und minderwertigen Registrierungen durchsiebt, dass sie en gros geblockt werden«, so Rod Rasmussen, President und CTO von IID.

Sollte eine nTLD geschlossen werden, reisst sie alle Domain-Namen und eMail-Adressen mit in den Abgrund, so dass die Betreiber gezwungen sind, sich eine neue virtuelle Heimat zu suchen. Zwar sehen die ICANN-Regularien einen Mechanismus vor, bei dem ums Leben kämpfende Registries über Auktionen oder durch Aufkäufe gerettet werden können; es sei aber fraglich, wer bereit sei, in eine kriselnde nTLD zu investieren, vor allem wenn sich die Registrierungszahlen bei wenigen hundert bewegen. Rasmussen vermutet daher, dass eine solche nTLD im Zweifel schlicht abgeschaltet wird. Er schließt ferner nicht aus, dass diese Entwicklung auch das gesamte übrige DNS-Ökosystem beeinflusst. So könnten die Verbraucher verwirrt werden, weil unprofitable Registries geschlossen werden.

Die Mitteilung von IID ist schon deshalb ernst zu nehmen, weil Rasmussen sowohl Mitglied des Security and Stability Advisory Committee (SSAC) von ICANN als auch bei der Anti-Phishing Working Group ist. Er hat daher mehr als viele andere Sicherheitsunternehmen Einblick in den »Maschinenraum« des DNS. Bestärkt wird Rasmussen ausserdem durch den Verweis, dass die ursprüngliche Budget-Planung von ICANN für 2015 von 33 Millionen Domain-Namen unter neuer Endung ausging; diese Zahl hat man kürzlich auf 15 Millionen revidieren müssen, ohne dass derzeit absehbar ist, ob selbst diese Marke erreicht werden kann. Der erfahrene Domain-Investor Frank Schilling, CEO von Uniregistry, schwächt die Einschätzungen von Rasmussen dagegen ab. Zwar werden wohl tatsächlich einige nTLDs offline gehen; aber er geht davon aus, dass dies gewollt geschieht, weil sie unprofitabel waren, und so der Markt bereinigt werde. Für Uniregistry selbst mit ihren derzeit rund 25 verwalteten nTLDs wie .click, .lol, .pics und .property, schliesst er dies für die nahe Zukunft aber aus.

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