gTLDs

100.000 neue Domains bis zum Jahr 2020?

Werden wir im Jahr 2020 bis zu 100.000 neue Top Level Domains haben? Mit dieser provokanten These lässt Markenspezialist Naseem Javed (ABC Namebank) aufhorchen. Doch ganz unwahrscheinlich ist sein Szenario nicht.

Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 2020. Soeben hat ICANN das zehnte Bewerberfenster um eine neue Top Level Domain geöffnet, und in dem von ICANN inzwischen mehrfach optimierten standardisierten Verfahren flutschen die neuen Endungen im Eiltempo ins Domain Name System. Der Weltmarkt hat gelernt, die Ressource zu nutzen – bereits 100.000 Top Level Domains sind in Gebrauch. Unsinn? Übergeschnappt? Ideen eines gTLD-Lobbyisten? Jedenfalls letzteren Vorwurf muss sich Javed sicherlich nicht gefallen lassen; mit Artikeln wie »The Dotcom Kingdom« oder »10 Reasons Why New gTLDs May Not Work For You« hat er bereits kritisch Stellung zu neuen Domain-Endungen bezogen.

Und so absurd ist der Gedanke nicht. In einem »dot brand scenario« unterstellt Javed, dass die aggressivsten nationalen Marken ihre Marken-Endung registriert haben, um ihre Identität in expandierenden Märkten präsenter zu gestalten. Der geschlossene Kreis von .brand-Domains hat sich gegenüber herkömmlichen Endungen als verbraucherfreundlicher und sicherer im Kampf gegen Online-Kriminalität herausgestellt. Folglich haben Inhaber bedeutender Marken ihren Widerstand gegen neue Endungen aufgegeben, und machen sich vielmehr ihr Potential zu Nutze. Der goldene Schlüssel zum Internet ist die Domain; ohne Domain ist das Internet nutzlos. Angesichts von fünf Milliarden Internetnutzern muss ein Unternehmen sichtbar sein – und was verschafft mehr Präsenz als eine eigene Top Level Domain?! Oder wie wäre es mit dem »destination brand scenario«, bei dem der Nutzer sich irgendein Ziel wünscht und es prompt unter einer Endung dotZiel im Internet erreicht, wo ihm eine Flut neuer Informationen entgegenströmt. Und schließlich das »generic brand scenario«, in dem nahezu jeder generische Begriff als Domain-Endung vergeben ist und dazu dient, dass ein Nutzer weiterführende Informationen findet.

Wenn wir uns an die Fakten halten, sind 100.000 neue Top Level Domains utopisch: Anfang März 2012 sind nun 207 Organisationen im TLD Application System (TAS) von ICANN vermerkt, und selbst wenn jeder von ihnen die maximal zulässigen 50 Bewerbungen bei ICANN einreicht, wären nur 10.350 neue Domains denkbar. Berücksichtigt man zudem, dass ICANN eine zweite Einführungsrunde bestätigt hat, dürfte auch sie wohl erst in drei bis fünf Jahren beginnen, da sämtliche Erfahrungen der ersten Runde verwertet werden wollen. Allerdings bleibt für alle, die sich jetzt bewerben, der Vorteil des »Pionierunternehmens«, und spätestens 2020 werden wir wissen, wie groß zumindest dieser Vorteil tatsächlich war.

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