Google-Domains

Keine Lust mehr auf nTLDs?

Über 500 neue Top Level Domains von ursprünglich 1.930 Bewerbungen sind inzwischen delegiert. Trotz aller Euphorie zeigt sich allerdings der US-amerikanische Suchmaschinengigant Google Inc. bei seinen Wunsch-Endungen auffällig zurückhaltend.

Mit 101 Bewerbungen um eine neue globale Domain-Endung, eingereicht über die Tochtergesellschaft Charleston Road Registry Inc., zählt Google zu den eifrigsten Teilnehmern des nTLD-Programms von ICANN. Allein an Bewerbungsgebühren musste Google hierfür knapp US$ 18,7 Mio. an ICANN zahlen. Für Dave Thomas, ehemaliger Leiter von Sedo UK, war seinerzeit das Google-Engagement ein »PR-Traum« für ICANN, konnte die Internet-Verwaltung doch darauf verweisen, dass sich eine der »Super-Marken« des Internets rege für die eigene Domain interessiert. Nicht wenige gingen sogar davon aus, dass Google aufgrund seiner Finanzkraft praktisch jede TLD bekommen werde, um die man sich beworben hat. Die Praxis widerlegt diese Behauptungen jedoch: mit .and, .are sowie .est zog Google praktisch mit der Veröffentlichung gleich drei Bewerbungen wieder freiwillig zurück.

Somit verblieben 98 Bewerbungen, wovon 39 Bewerbungen »uncontested« waren, also ohne Konkurrenz. Besonders eilig hat es Google aber trotzdem nicht, sie auf den Markt zu bringen: bisher stehen lediglich .how, .soy sowie eine internationalisierte Endung in den Regalen der Registrare. Dagegen harren so attraktive Endungen wie .day, .fly, .gmail, .google, .kid, .new oder .youtube noch ihrer Bestimmung. Bei 34 Bewerbungen musste Google mit anderen Bewerbern in den Ring steigen; trotz eines Milliardenvermögens hat sich Google aber bisher lediglich bei fünf Endungen durchgesetzt, nämlich .play, .dev, .drive, .docs und .moto. Dabei war der Widerstand bei vier dieser Endungen überschaubar – es gab nur einen einzigen Konkurrenten. Bei 28 Endungen hat Google hingegen (zumeist freiwillig) den Kürzeren gezogen, darunter so Schwergewichte wie .blog, .buy, .earth, .cloud, .book, .movie und .store. Da sowohl »Blogger« als auch »Google Earth« zu den Kernprodukten des Unternehmens zählen, hat der Rückzug bei .blog und .earth selbst Brancheninsider überrascht.

Für ein endgültiges Fazit ist es aber noch zu früh. Mit .app, .game, .gmbh, .inc, .llp, .music, .search, .shop oder .tube hat Google noch etliche äusserst begehrte Endungen im Wettrennen, bei denen voraussichtlich erst eine Auktion entscheidet, wer sie künftig verwalten darf. Sollte Google durch die Rückzüge die Kriegskasse gefüllt haben, um bei diesen Endungen an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren zu gehen, hätte man alles richtig gemacht. Und zur Not bleibt ja noch das Geschäft als Registrar, bei dem Google ebenfalls den Markt von hinten aufrollen könnte.

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