.doosan

ICANN probt den nTLD-Notfall

ICANN probt den Ernstfall: mit der neu eingeführten, aber zur Löschung anstehenden Marken-Endung .doosan testet die Internet-Verwaltung derzeit den bisher noch nie da gewesenen Notbetrieb einer nTLD-Registry.

»Weißer Zwerg« – so nennt man in der Astronomie das Endstadium der Entwicklung eines Sterns. Mit dem Endstadium von Top Level Domains musste sich auch ICANN beschäftigen, als man die Tür für eine praktisch unbegrenzte Anzahl von Domain-Endungen aufgemacht hat. Herausgekommen ist EBERO, die Kurzform für »Emergency Back-End Registry Operator«. Das EBERO-Programm soll sicherstellen, dass beim Ausfall einer nTLD-Registry die Sicherheit und Stabilität des übrigen Domain Name Systems nicht gefährdet wird. Der Operator wird dabei nur vorübergehend tätig, um fünf kritische Funktionen aufrechtzuerhalten, darunter vor allem die Auflösung (und damit das Funktionieren) registrierter Domains und den Betrieb des WHOIS-Systems. Derzeit stehen mit dem China Internet Network Information Center (CNNIC), CORE Association (CORE Internet Council of Registrars) und Nominet drei solcher Operator zur Verfügung, die im Notfall einspringen könnten.

Um für das mögliche »Verglühen« einer nTLD gewappnet zu sein, hat sich ICANN entschlossen, das EBERO-Programm zu testen. Da drängt sich die Endung .doosan praktisch auf. Vergangenen September bat deren Verwalterin, die südkoreanische Doosan Corporation, um Auflösung des Registry-Vertrages; Gründe für diesen Schritt nannte man nicht. Mit Ausnahme von nic.doosan ist bis heute keine weitere Domain unter .doosan registriert, und selbst die leitet inzwischen nur auf die EBERO-Website weiter. Doch anstatt die Endung aus der Root Zone zu entfernen, simuliert ICANN erstmals den Notfall. Im konkreten Fall hat Nominet die Funktion als Operator übernommen, der IANA-Eintrag ist bereits entsprechend geändert und weist erstmals den EBERO-Hinweis auf; auch die Nameserver-Einträge sind schon auf Nominet umgestellt. Wie lange der Test dauert und ob neben Nominet einer der beiden anderen Operator zu Testzwecken eingesetzt wird, liess ICANN offen.

Internetnutzer dürften es begrüssen, dass sich ICANN auf einen solchen Ernstfall vorbereitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommen könnte, ist nicht so gering, schließlich sind nunmehr knapp 900 nTLDs delegiert. Domain-Endungen wie .protection, .lotto und .whoswho kommen aktuell jeweils auf nicht mehr als 100 registrierte Domains. Namen für Kandidaten, die .doosan folgen könnten, werden bisher jedoch offiziell noch nicht gehandelt.

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