Afrika

ICANN veröffentlicht großen Report über afrikanische Länderendungen

Im Vorfeld ihres 59. Meetings im südafrikanischen Johannesburg hat die Internet-Verwaltung ICANN den ersten umfassenden Marktbericht für Afrika vorgelegt.

Für 26. bis 29. Juni 2017 hat ICANN zum zweiten von drei jährlichen Meetings nach Südafrika geladen. Unmittelbar vor Beginn wurde nun die »The 2016 African Domain Name System Market Study« veröffentlicht, ein vom South African Communications Forum (SACF) erstellter, 213 Seiten starker Report, der als historisch erster seiner Art den Domain-Markt in insgesamt 54 afrikanischen Ländern untersucht. Konkret geht er auf die Stärken und Schwächen des DNS-Sektors in Afrika ein, entwickelt Empfehlungen, um das vorhandene Potential besser auszuschöpfen, und erforscht Optionen für ein Observatorium, das den Domain-Markt in Afrika weiter beobachtet. Herausgekommen ist ein einzigartiger Einblick in einen Kontinent mit mannigfaltigen, höchst unterschiedlichen Domain-Regionen.

Im Mittelpunkt stehen 54 ccTLDs (von denen .ss für den Süd-Sudan bisher nicht delegiert ist) fünf internationalisierte TLDs und drei Städte-Endungen. Insgesamt zählt der Bericht rund 3,5 Millionen Domain-Registrierungen unter afrikanischen ccTLDs sowie weitere 1,4 Millionen unter gTLDs (davon alleine 1,2 Millionen .com-Domains), jeweils per Mai 2017. Hohe Kosten, fehlende Infrastruktur und der Umstand, dass in Afrika das Internet hauptsächlich über Mobilgeräte genutzt wird, führen dazu, dass die Nachfrage nach Domains gering ist. Unklare oder restriktive Vergaberegelungen tun ihr übriges. Das führt dazu, dass einige ccTLDs nur wenige Registrierungen aufweisen:

.km(Komoren)103
.er(Eritrea)104
.gw(Guinea-Bissau)114
.gn(Guinea)277
.td(Tschad)234
.lr(Liberia)303
.ne(Niger)409
.bj(Benin)734

Ein grosses Problem sind sogenannte »domain hacks«. Dazu zählt die Studie beispielsweise Kameruns .cm, eine Endung, die offenbar weitgehend von Vertippern bei .com-Domains lebt. Andere Endungen wie .cf (Zentralafrikanischen Republik), .gq (Äquatorialguinea), .ga (Gabun) und .ml (Mali) werden von Domain-Registraren wie Freenom und SafeCow kostenlos vergeben. Im Gegenzug hat der Domain-Inhaber aber keine Rechte an der Domain; Webseiten mit attraktiven Inhalten können ohne Vorankündigung abgeschaltet oder für Werbezwecke genutzt werden. Zudem ziehen diese Endungen Cyberkriminelle an wie das Licht die Motten.

Für die Zukunft empfiehlt der Report, dass jede Registry wenigstens eine funktionierende Landing-Page hat, über die sämtliche Vergaberegelungen als auch ein vereinfachtes Registrierungsverfahren abrufbar sind. Vielleicht könnte so manche Registry das Potential ihrer Endung damit noch besser ausschöpfen – interessenten auch für exotische Domains gibt es genug.

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