IPv4

Schwunghafter Handel mit IP-Adressen

Der Mangel an freien IP-Adressen nach dem Adressprotokoll IPv4 hat einen neuen Markt entstehen lassen: wie das Beratungsunternehmen Avenue4LLC mitteilt, ist rund um den Globus ein schwunghafter Handel entstanden – zu Lasten des Nachfolgeprotokolls IPv6.

IP-Adressen bilden das technische Rückgrat des Domain Name Systems. Letzteres sorgt dafür, dass sich kaum merkbare Zahlenkombinationen wie 89.31.143.116 zu domain-recht.de auflösen. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass IP-Adressen nach dem bisher verwendeten Protokoll IPv4 zur Neige gehen; RIPE NCC, die Regional Internet Registry (RIR) für Europa, den Mittleren Osten und Teile von Zentralasien, gab schon 2012 bekannt, dass man die letzten Blöcke von IPv4-Adressen vergeben habe. Aus diesem Pool hatten sich Endkunden wie Internet Service Provider, Unternehmen oder akademische Institutionen wie Universitäten bedient. Doch das Nachfolgeprotokoll IPv6 steht ebenfalls längst in den Startlöchern; es erlaubt 3,4 x 10 hoch 38 einzigartige IP-Adressen, die ausreichen sollten, praktisch jedem Sandkorn eine eigene IP-Adresse zuzuteilen. So viel zur Theorie, in der Praxis stösst IPv6 oft noch auf Abneigung. Wie Marc Lindsey und Janine Goodman von der in Washington (DC) ansässigen Unternehmung Avenue4 LLC berichten, nutzen noch zu wenige Provider und Endnutzer das neue Protokoll. Die fehlende Anreiz, IPv6-fähige Infrastruktur trotz unveränderter Nutzung von IPv4-Adressen herzustellen, hat dazu geführt, dass im April 2015 nur etwa sechs Prozent des Internetverkehrs über IPv6 abgewickelt wurde. Nachdem nunmehr jedoch sogar die American Registry for Internet Numbers (ARIN) angekündigt hat, schon in wenigen Wochen ebenfalls die letzten IPv6-Adressen zu vergeben, sollte sich der Druck, IPv6 zu etablieren, eigentlich erhöhen.

Aber nur eigentlich, weil in der Praxis der Markt zu anderen Lösungen greift. In dem Artikel »An insider´s guide to the private IPv4 market« berichtet Avenue4LLC, dass sich zwischen Nord-Amerika, Europa und der Asia-Pazifik-Region ein schwunghafter Handel mit IPv4-Adressen entwickelt hat. So hat Microsoft schon im Jahr 2011 insgesamt 666.624 IPv4-Adressen aus dem Bestand des Telekommunikationsunternehmens Nortel gekauft – für US$ 7,5 Millionen. Seither habe der Verkauf oder das Leasing von IPv4-Adressen erheblich zugenommen. ARIN habe 2014 die Übertragung von 4,5 Millionen Adressen unter Privaten beobachtet; im 1. Quartal 2015 sollen es schon 11 Millionen sein. Der Markt hat allerdings seine Risiken; da IPv4-Adressen nicht als Eigentum im Sinne des US-Rechts gelten, stellt sich die Frage, was der Käufer überhaupt erwirbt. Ausserdem könne man nicht sicher sein, ob Rechte Dritter bestehen; so geniessen die Aufzeichnungen der fünf weltweiten RIRs keine Rechtskraft und könnten die wahren Rechtsverhältnisse verdecken.

Um Risiken zu minimieren, empfiehlt Avenue4LLC, schon im Voraus klare Regeln für die Übertragung zu treffen. Insbesondere müssten die Regelungen der für den IPv4-Adressblock zuständigen RIR beachtet werden. Dabei könne es nicht schaden, Berater einzubinden und diese auf ihre Kompetenz zu testen. Mit der Transaktion einher geht eine umfassende »due diligence« samt Vertraulichkeitsvereinbarung. Bei alldem sollte man nicht vergessen, dass der Markt intransparent sei und zahlreiche Hürden bereithalte. Diese Hinweise mögen nicht uneigennützig sein, zumal sich Avenue4LLC in dem Bericht als spezialisierter Dienstleister für den Verkauf von IPv4-Adressen präsentiert; das macht sie jedoch nicht falsch.

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