IPv4

RIPE erwägt Adress-Entzug für Regierungen bei politischen motivierten Internetsperren

Der Streit um die letzten IPv4-Adressen treibt immer seltsamere Blüten: anlässlich des 74. RIPE-Meetings (Réseaux IP Européens) in Budapest wurde die Forderung laut, zur Durchsetzung eines freien Internetzugangs nationale Regierungen mit Adressentzug zu bestrafen.

Vom 8. bis 12. Mai 2017 trafen sich Internet Service Provider, Netzwerkbetreiber und sonstige Interessierte in Budapest, um sich den Aufgaben der Koordination des Internets zu widmen. Zu den bekannten und wiederkehrenden Vertretern auf der Tagesordnung stand dabei auch das Thema IPv4 und der zur Neige gehende Vorrat an freien Adressen. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigen sich die Ingenieure der Internet Engineering Task Force (IETF) mit dem Nachfolgeprotokoll IPv6, das längst zur öffentlichen Verfügung steht; gleichwohl steht sein Durchbruch nach wie vor aus. Die Adressknappheit hat mittlerweile nicht nur zu einem regen Handel geführt, sondern ließ auch die Mitgliederanzahl von RIPE um mehrere tausend explodieren, in der Hoffnung, sich so einen bevorrechtigten Zugriff auf die Zuteilung eines IPv4-Adressblocks sichern zu können.

Das für die Zuteilung von IP-Adressen in Afrika zuständige African Network Information Centre (AfriNIC) will den Streit um IPv4 nun politisch ausschlachten. Wie heise.de berichtet, sollen politisch motivierte Sperrungen der Internetzugänge für die Bevölkerung mit einem Adressentzug bestraft werden können. Voraussetzung ist, dass die Sperrung nicht durch ordentliche Gesetze gedeckt ist; dann sollen Adressmanager bei AfriNIC 12 Monate lang keine neuen IP-Ressourcen an Regierungen herausgeben, die Sperren verfügt haben. Bei dreimaliger Wiederholung sollen bereits zugeteilte Adressen zurückverlangt werden. Für staatliche Bildungs- und Forschungseinrichtungen soll es aber Ausnahmen geben. Alternativ diskutiert AfriNIC, dass die Internetverwaltung ICANN beispielsweise Diktatoren die ccTLD ihres Landes entzieht; dass ICANN für ccTLDs nicht zuständig ist, scheint der Diskussion nicht geschadet zu haben.

Bei RIPE zeigt man sich solchen Vorschlägen durchaus offen gegenüber.

Die Adress-Registries haben sich ihre Rolle als neutraler Verwalter der Netz-Ressourcen über Jahre erstritten. Der AfriNIC-Vorschlag kann nun als Kampfansage an Regierungen gewertet werden, von denen manche die Adressvergabe gerne weniger staatsfern organisieren wollen,

so der RIPE-Vorsitzende Hans-Petter Holen im Gespräch mit heise.de. Ob sich ein afrikanischer Diktator allerdings davon beeindrucken lässt, gilt es zu bezweifeln; ein Internetangebot, das gar nicht erst erreicht werden kann, dürfte ihm noch besser gefallen als eines, das er erst noch sperren muss.

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