DNS

Wird IPv4 als »historisch« degradiert?

Der Internetprotokoll Version 4 droht das Abstellgleis: anlässlich des 95. Kongresses der Internet Engineering Task Force (IETF) in Buenos Aires wurde die Forderung laut, IPv4 als historisch einzustufen und damit weitere Arbeiten einzustellen.

Wir haben nachgesehen: im April 2002 haben wir erstmalig darüber berichtet, dass ein Nachfolgeprotokoll für IPv4 getestet wird. Die Arbeiten der IETF gehen noch länger zurück; bereits Anfang der 90er Jahre hatten die ersten Versuche begonnen. Inzwischen steht mit IPv6 längst ein solcher Nachfolger bereit, der 3,4 x 10 hoch 38 IP-Adressen erlaubt. Sogar der Druck von außen war zuletzt gestiegen, nachdem die letzten IPv4-Adressblöcke zugeteilt worden waren. Man möchte also annehmen, dass der Abschied von IPv4 niemand schwer fallen dürfte. Doch weit gefehlt.

Am 14. März 2016 veröffentlichte Lee Howard, Director of Network Technology beim US-Telekommunikationsunternehmen Time Warner Cable (TWC), den Entwurf eines Memo. Darin schlägt er vor, IPv4 als historisch einzustufen, weil es durch IPv6 ersetzt worden sei; der Gebrauch von IPv4 sei durch IPv6 überholt. Die Einstufung als historisch bedeutet nicht, dass IPv4 nicht mehr benutzt werden darf; es würde aber nicht mehr weiterentwickelt, so dass es zum Beispiel auch keine Updates und Bugfixes mehr gäbe. „Wir müssen aufhören, unsere Zeit für immer neue Transitionstechniken zu verschwenden“, so Howard. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein; so zitiert heise.de einen Facebook-Ingenieur, wonach die fortlaufende Arbeit an IPv4 unabsichtlich den Eindruck erwecken könnte, dass man mit IPv4 nach wie vor langfristig planen könne. Allerdings gab es am Vorschlag von Howard auch harsche Kritik. »Es ist nicht Aufgabe einer Standardisierungsorganisation, Bullshit zu produzieren«, meinte etwa Geoff Huston vom Asia Pacific Network Information Centre (APNIC), der Regional Internet Registry (RIR) für die Region Asien und den Pazifik, um Ausdrücke wie »Irrsinn« und »Größenwahn« hinterherzuschieben. Rüdiger Volk von der Deutschen Telekom fürchtet gar den öffentlichen Eindruck, »dass die IETF den Bezug zur Realität verloren hat«. Howard gestand daraufhin zumindest ein, dass die finale historische Klassifizierung noch »etwas verfrüht« sei.

Dem Inhaber eines Domain-Namens kann diese Diskussion nicht egal sein. Zum einen bilden IP-Adressen die Grundlage des Domain Name Systems (DNS); wegen der Länge der IP-Adressen ist IPv6 dabei in besonderem Maße von einem funktionierenden DNS abhängig. Zum anderen werfen IPv6-Adressen datenschutzrechtliche Problem auf, da sie allein recht sicher auf einen Nutzer schließen lassen. So hat etwa der Hamburger Datenschutzbeauftragte vorgeschlagen, Internet Service Provider per Gesetz dazu zu verpflichten, auch mit IPv6 dynamische IP-Adressen zu vergeben.

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