NSI und I-DNS: Internationale Domains bald Wirklichkeit?

I-DNS heißt das System, mit dem Network Solutions internationale Domains möglich machen will. Damit sollen auch Umlaute, chinesische Schriftzeichen oder Sonderzeichen in Domainnamen möglich werden. Bis spätestens Ende des Jahres will die NSI mit den Tests beginnen – wenn sie erfolgreich sind wird man in Zukunft Domainnamen in 55 Sprachen und Zeichensätzen registrieren können.

Nötig wird ein solches System mit zunehmender Verbreitung des Internets auf jeden Fall. In Taiwan ist man schon dazu übergegangen, nur Ziffern als Domain zu registrieren – für Taiwanesen, die nur mit Schriftzeichen aufgewachsen sind, sind römische Ziffern einfach einprägsamer als unsere Buchstaben. Auch in Deutschland müssen sich Anbieter wie buecher.de mit dem „ue“ herumschlagen und häufige Vertippfehler in Kauf nehmen.

Die Umstellung ist aber nicht ganz unkompliziert. Am Anfang des Internets hatte jeder Computer, der damit verbunden war, nur eine Nummer – die sogenannte IP-Adresse. Doch durch die gestiegene Anzahl der Rechner entschloss man sich, Domainnamen zu vergeben, da diese einprägsamer waren als die Zahlenkolonnen. Auch heute noch hat jeder ans Internet angeschlossene Computer eine IP-Adresse – die Domain muss also erst in diese Zahlenfolge „übersetzt“ werden. Diese Aufgabe regeln sogenannte Domain-Name-Server (DNS). Die Internic betreibt den sog. Root-Server für das Domain-System. Auf diesem Rechner befindet sich eine Datenbank mit Domainnamen und den dazugehörigen IP-Adressen.

Diese Datenbank wird ständig von allen Internet-Knotenpunkten ausgelesen und kopiert (gespiegelt) – auch Ihr Zugangsprovider hat einen solchen Name-Server, der nur damit beschäftigt ist, die Domain in IP-Adressen umzuwandeln. Da manche Zugangsprovider ihre Datenbank nur täglich aktualisieren (z.B. T-Online), kann es deshalb vorkommen, dass Sie Ihre neu registrierte Domain mit ihrem lokalen Provider erreichen, mit T-Online aber im Leeren landen. Und an genau diesen Name-Servern setzt I-DNS an.

Die Domainnamen werden von eine I-DNS-fähigen Server zuerst in Unicode umgewandelt, ein Standard, der alle gebräuchlichen Schriftzeichen umfasst, dann in den besser zu verarbeitenden UTF-8 Standard. Erst jetzt kann die Domain dann in eine IP-Adresse aufgelöst werden. Dafür müssen alle Nameserver dieser Welt (und davon gibt es viele) auf diesen neuen Standard aktualisiert werden. Während der Umstellungsphase sind die neuen Domains deshalb nicht von jedem zu erreichen – und diese kann sich über Monate ziehen.

Die Dezentralität der Nameserver machte sich vor zwei Jahren auch ein cleverer Geschäftsmann aus den USA zunutze: Er bot (was technisch absolut kein Problem ist) die TLD .sex an. Zugangsprovider konnten sich auf seinem Server ein kleines Update herunterladen – nach der Installation waren die neuen Domains von jedem, der sich über den Provider eingewählt hatte, erreichbar. Für die Registrierung der Domains verlangte der Amerikaner 70 US$ pro Jahr – damals die üblichen Gebühren für eine .com-Domain. Heute lebt er im Gefängnis …

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