nTLDs

Losverfahren statt »digital archery«

Vergessen Sie alles, was Sie je über das »digital archery« gelesen haben, denn das digitale Bogenschiessen ist Geschichte: völlig überraschend hat die Internet-Verwaltung ICANN angekündigt, dass nun doch ein Losverfahren über die Prüfungsreihenfolge der nTLD-Bewerber entscheiden soll.

Noch ist es nur ein Plan, doch er hat bereits konkrete Formen angenommen: nach »sorgfältiger Analyse der öffentlichen Kommentare und der möglichen Lösungen« hat ICANN am 10. Oktober 2012 ein Losverfahren vorgestellt, das darüber entscheiden soll, in welcher Reihenfolge die eingegangenen Bewerbungen um eine neue globale Top Level Domain geprüft werden. Das Verfahren mit der Bezeichnung »prioritization draw« kann wesentlich über den Erfolg oder Misserfolg einer neuen Domain-Endung mitentscheiden, denn ein möglichst früher Registrierungsbeginn verspricht eine ungleich höhere öffentliche Aufmerksamkeit und damit Zahl von Registrierungen. ICANN nutzt dabei nach eigenen Angaben eine Lücke im Glücksspielrecht Kaliforniens, die es gemeinnützigen Organisationen erlaubt, sich durch den Verkauf von Losen Mittel zu beschaffen. Die dafür benötigte Lizenz hat ICANN beantragt, bis spätestens Ende November 2012 soll sie erteilt werden.

Für das Losverfahren geht ICANN derzeit von folgenden Eckpunkten aus: jeder Bewerber muss für voraussichtlich US$ 100,– ein Papier-Los erwerben; die Lose sind dabei mit Ziffern zwischen 1 und 1.923 durchnummeriert. Der Verkauf erfolgt vor Ort in Los Angeles an den Bewerber oder einen (gegebenenfalls von ICANN gestellten) Vertreter; ein Online-Erwerb ist ausgeschlossen, was zugleich das Risiko technischer Pannen auf ein Minimum reduziert. An einem noch festzulegenden Tag zwischen dem 4. und dem 15. Dezember 2012 erfolgt dann eine Ziehung, die darüber entscheidet, in welcher Reihenfolge die Bewerber geprüft werden. Ein Handel um die Platzreihenfolge zwischen den Bewerbern ist untersagt; lediglich Bewerbungen um eine internationalisierte Top Level Domain geniessen weiterhin bevorzugte Behandlung. Für den weiteren Verlauf bedeutet dies, dass ICANN ab März 2013 voraussichtlich für zwischen 30 und 100 Bewerber wöchentlich das Prüfungsergebnis bekanntgibt. Vor dem für April 2013 angesetzten ICANN-Meeting in Peking kann jedoch kein Bewerber mit einem verbindlichen Registry-Vertrag rechnen; erste Registrierungen unter einer neuen Top Level Domain wären dann wohl Mitte 2013 möglich.

Die Öffentlichkeit hat 30 Tage Gelegenheit, zum geplanten Losverfahren Stellung zu nehmen. Anderen Vorschlägen hat ICANN bereits eine Absage erteilt; weder ein Ratespiel um die Anzahl der Bonbons in einem Glasgefäß noch das klassische »Schnick, Schnack, Schnuck« vermochte bei der ICANN-Führung zu überzeugen.

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