ICANN

Skandal um Registerfly.com

Kunden des in New Jersey ansässigen Registrars Registerfly.com dürften derzeit schlaflose Nächte haben: nach einem Streit in der Geschäftsführung und dem Verlust von mehreren zehntausend Domains versucht die Internet-Verwaltung ICANN derzeit zu retten, was zu retten ist. Doch das Ende ist offen.

Auslöser der seit einigen Wochen andauernden Schlammschlacht war eine Klage der Gründer von Registerfly.com gegen den ehemaligen CEO, Kevin Medina. Die Story liest sich dabei wie aus dem Groschenroman: Im Raum steht der Vorwurf, Medina habe verschuldet, dass im Januar 2007 etwa 75.000 Domain-Namen verloren gingen, weil die Gebühren nicht bezahlt wurden; stattdessen soll Medina das Geld für Escort-Services, private Kreditkartenabrechnungen, ein Penthouse in Miami und eine Fettabsaugung verschwendet haben. Bei der Internetverwaltung ICANN wurde man erstmals vor etwa einem Jahr hellhörig, als sich die Beschwerden von Kunden, darunter Popstar Michael Jackson und die Regierung von Thailand, über den schlechten Service häuften. Doch obwohl Registerfly als unmittelbar bei ICANN akkreditierter Registrar auftritt und wirbt, sah sich ICANN nicht in der Pflicht, einschreitend tätig zu werden. Unter den ca. 900.000 Kunden begann derweil das grosse Zittern, nachdem ihre Internetauftritte nicht mehr zu erreichen waren und auch Versuche, die Domains zu anderen Registraren zu transferieren, fehlschlugen.

Erst Anfang März konnte sich ICANN dem öffentlichen Druck nicht mehr länger entziehen. Mit harschen Worten wandten sich ICANNs Anwälte an Registerfly und forderten die Verantwortlichen unter Fristsetzung auf, sich vertragsgerecht zu verhalten, insbesondere Zugriff auf die Registrierungsdaten zu gewähren, offene Rechnungen zu bezahlen und den Kunden anhand Mitteilung der „auth codes“ Domain-Transfers zu ermöglichen. Vorläufiger Höhepunkt war eine Mitteilung vom vergangenen Freitag, mit der ICANN den Entzug der Akkreditierung bis 31. März angekündigt hat. Läuft die Frist ab, kann ICANN sämtliche Domains zu einem anderen Registrar umziehen, sollte Registerfly zuvor nicht bereits kooperiert haben. ICANN-Präsident Paul Twomey zeigte sich empört: „Wir sind frustriert und erschüttert über das Katastrophen-Management bei Registerfly. Ich rufe Registerfly auf, im Interesse der Domain-Inhaber umgehend einen Transfer zu ermöglichen“. Auch beim ICANN-Meeting Ende März in Lissabon steht Registerfly auf der Tagesordnung.

Doch während die Kunden immer stärker um ihre Domains fürchten müssen, ist es ausgerechnet einem Glücksspiel-Blogger gelungen, eine Lücke im System zu finden, um Domains transferieren zu können; auf seiner Website hat er hierzu eine Schritt-für-Schritt-Anleitung veröffentlicht. Die Lücke ermöglicht es den Kunden angeblich, die für einen Umzug erforderlichen „auth codes“ zu erhalten. In ersten Leserreaktionen ist allerdings festgehalten, dass es nicht allen Kunden gelungen ist, ihre Domain-Namen erfolgreich umzuziehen. Das Zittern wird daher wohl noch eine Weile weitergehen.

Weitere Informationen finden Sie auch hier.

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