ICANN

History-Projekt bewahrt digitales Erbe

Die Internet-Verwaltung ICANN arbeitet an ihrem digitalen Nachlass: am 4. Mai 2017 fiel der Startschuss für das neue HistoryProjekt. Durch eine Erfassung von Geschichten der Schlüsselpersonen soll ICANNs institutionelles Gedächtnis für die Nachwelt bewahrt werden.

Menschen gehen, Daten bleiben – nicht nur die Bundesregierung oder tagesaktuell das Kammergericht in Berlin im Streit um einen Auskunftsanspruch des Erben in den Facebook-Account eines Verstorbenen müssen sich immer häufiger mit der Frage beschäftigen, wie mit dem digitalen Nachlass umzugehen ist. Bei einer Institution wie ICANN geht man diese Frage in grossem Massstab an: ein eigenes Geschichtsprojekt soll festhalten, wie und wer dafür gesorgt hat, dass die Organisation zu dem wurde, was sie heute ist. Herausgekommen ist eine multimedial gestaltete Website, die es auch Anfängern und Einsteigern leicht macht, sich einen Überblick zu verschaffen. Den Auftakt macht beispielsweise ein Video mit Brad White, ICANNs Director of Communications, das ihn vor jenem Gebäude zeigt, in dem ICANN seine ersten Büros bezogen hat.

Der Blick geht aber noch vor die Gründung von ICANN zurück, bis in das Jahr 1983. Damals rief Jon Postel von der University of Southern California auf Grundlage eines Vertrages mit der US-Defense Advanced Research Project Agency (DARPA) die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) ins Leben, die noch heute zahlreiche zentrale Funktionen wie die Verwaltung der Root Zone innehat. Von dort ist es ein Sprung bis zum Winter 1996, in dem IANA und Internet Society (ISOC) gemeinsam das International Ad Hoc Committee (IAHC) gründeten, um ein neues Modell der Verwaltung von Top Level Domains zu ersinnen. Zeitlich reicht das History-Projekt aber sogar in die Zukunft, nämlich bis in das Jahr 2020, wenn die letzte formalrechtliche Verbindung zwischen der US-Regierung und ICANN gekappt wird.

Das besondere an dem History-Projekt sind die zahlreichen Videos mit prominenten ICANN-Schlüsselfiguren wie zum Beispiel Ira Magaziner, früherer Berater von Präsident Bill Clinton, Larry Strickling, vormals Assistant Secretary for Communications and Information and Administrator in der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) des US-Wirtschaftsministeriums, Vint Cerf, einem der Väter des Internets und Dr. Stephen Crocker, dem aktuelle ICANN Board Chair. Sie alle blicken auf die historische Entwicklung der Beziehung zwischen ICANN und der US-Regierung zurück, und gewähren dabei exklusive Einblicke in das Innenleben der Internet-Verwaltung. Dabei versuchen sie zumeist, einen journalistischen Ansatz zu bieten und Fakten statt Meinungen zusammenzutragen. Da ICANN existiert und täglich neue Geschichte produziert, wird das Projekt laufend erweitert. Es lohnt sich also, dort nicht nur heute nachzusehen, sondern auch in Zukunft zurückzukehren.

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