nTLDs

Die Entwicklung der neuen Domain-Endungen in Zahlen

Vor knapp zwei Jahren hat ICANN damit begonnen, neue Top Level Domains freizugeben. Noch ergibt sich ein diffuses Bild, da wöchentlich neue Endungen hinzukommen. Phil Buckingham, CEO des TLD-Beratungsunternehmens Dot Advice Limited, hat sich gleichwohl auf die Suche nach den »wahren Fakten«.

Rund 140 Millionen Domains sind derzeit unter .com und .net registriert. Gleichwohl oder gerade deswegen besteht reges Interesse an den neuen Endungen: per 31. Dezember 2015 waren exakt 11.168.472 Domains unter einer nTLD registriert. 841 nTLDs weisen dabei mindestens eine registrierte Domains auf. Davon befinden sich 421 in der Phase der »general availability«, sind also registrierbar. Davon kommen wiederum 138 auf derzeit mindestens 10.000 registrierte Domains; 283 nTLDs kommen trotz Live-Phase auf weniger als 10.000 Registrierungen. Zudem zählt Buckingham 125 nTLDs aus den Kategorien Open Generics, Geos, IDNs und Community, die zwar delegiert sind, aber noch auf ihren Start warten. Ein Schattendasein fristen auch .brands: wie Buckingham berichtet, sind zwar 287 delegiert, davon seien mit .barclays und .cern aber erst zwei gestartet.

Ein wesentlicher Faktor für den dauerhaften Erfolg einer nTLD ist die so genannte »renewal quote«, also der Anteil jener Registrierungsverträge, die nach Ablauf eines Jahres verlängert werden. Hier hat Buckingham die ersten sechs gestarteten nTLDs untersucht, die sämtlich von Donuts verwaltet werden. Dort ergibt sich folgendes Bild:

.guru:Start am 05.02.2014»renewal quote« bei 79 %
.holdings:Start am 05.02.2014»renewal quote« bei 82 %
.equipment:Start am 12.02.2014»renewal quote« bei 74 %
.graphics:Start am 12.02.2014»renewal quote« bei 93 %
.singles:Start am 05.02.2014»renewal quote« bei 69 %
.estate:Start am 12.02.2014»renewal quote« bei 79 %

Ergänzend hat er sich mit london und .nyc noch zwei Städte-Domains angesehen. Dort kam er zu folgendem Ergebnis:

.london:Start am 09.09.2014»renewal quote« bei 88 %
.nyc:Start am 08.10.2014»renewal quote« bei 89 %

Das Fazit, das Buckingham zieht, ist nicht erfreulich. Vielen nTLDs attestiert er »junk status«, nicht brauchbar und überlebensfähig für das Registry-Geschäft. ICANNs Compliance-Team habe die wenig beneidenswerte Aufgabe, festzustellen, wann dieser Status erreicht sei und wann der EBERO (Emergency Back End Registry Operator) das Ruder übernehme. Den offenen nTLS sagt er nach dem Pareto-Effekt und dessen 80:20-Regel voraus, dass es wenige Gewinner und viele Verlierer geben wird. Die Domain-Registrare werden das Angebot an nTLDs reduzieren und zudem versuchen, mit Registrierungspaketen wie .photo, .photos und .photography eine ganze Nische zu besetzen; das würde die Verwirrung bei Verbrauchern reduzieren und den Verwaltungsaufwand verschlanken. Einen Wendepunkt könnten die nTLDs allerdings erreichen, wenn die erste .brand bis Ende 2016 auf mehr als 30 Millionen Registrierungen kommt; welche .brand das sein könnte, sagt er aber nicht. Und zu guter Letzt: wer selbst eine nTLD haben möchte, muss nicht mehr lange warten; Buckingham geht davon aus, dass die zweite Runde im Januar 2018 beginnt.

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