Trennung von der DENIC

Dolderer wirft Handtuch

Die DENIC eG, mit über zehn Millionen registrierten .de-Domains erfolgreichste Länderverwaltung der Welt, und ihr Vorstandsmitglied Sabine Dolderer haben sich getrennt: wie Dolderer in einer knappen eMail vom vergangenen Freitag mitteilt, sei sie mit dem Aufsichtsrat übereingekommen, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Sabine Dolderer, in den ersten Jahren noch im Rechenzentrum der Universität Karlsruhe tätig, ist seit dem Jahr 1994 der DENIC verbunden. Seit deren Gründung leitete sie den Geschäftsbetrieb sowie die technischen Dienste von Frankfurt, dem Sitz der DENIC eG, aus. Sie war maßgeblich am Aufbau und der Entwicklung der DENIC und damit dem Aufstieg der Top Level Domain .de zur inzwischen unangefochten zweiterfolgreichsten Top Level Domain der Welt zuständig; auch international geniesst Dolderer Wertschätzung. Vielen gilt sie zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung als das „Gesicht“ der DENIC. Umso überraschender kam die Mitteilung von der Trennung am vergangenen Freitag, die selbst für zahlreiche Genossen der DENIC unvermittelt eintraf. Auch am Rande des derzeit laufenden ICANN-Meetings in Lissabon stiess die Entscheidung auf Verwunderung, zumal Dolderer dort unverändert für die DENIC auftritt.

Die Gründe für diesen überraschenden Schritt bleiben zunächst vage. In einer ersten Presseerklärung spricht die DENIC eG von „unterschiedlichen Vorstellungen über die zukünftige Weiterentwicklung der DENIC.“ Auch in ihrer Abschiedsnachricht deutete Dolderer Differenzen mit dem Aufsichtsrat an, ohne jedoch konkret zu werden. Auf Nachfrage teilte uns Dr. Klaus Herzig, der Pressesprecher der DENIC mit, dass man bezüglich der Einzelheiten Vertraulichkeit vereinbart habe. Das Online-Magazin heise.de spekuliert, dass die Trennung mit der Aufstellung der DENIC im globalen Registry-Markt zu tun haben könnte, nachdem sich DENIC im Jahr 2003 vergeblich um die Verwaltung der Endung .net beworben hatte; Belege hierfür gibt es jedoch nicht.

Sebastian von Bomhard, Vorsitzender des Aufsichtsrats, zeigte sich in einer ersten Reaktion ebenfalls überrascht, bestätigte jedoch die Trennung und bedauerte die öffentliche Kommunikation der Entscheidung. Auch sei die Entscheidung nicht spontan gefallen, sondern Ergebnis einer längeren Entwicklung. Diese Mitteilung stiess wiederum bei vielen Genossen auf Unverständnis, da man über derartige Entwicklungen nicht informiert gewesen sei. Wirkliche Aufklärung wäre jedoch nur zu erwarten, wenn sich die Parteien von der vereinbarten Vertraulichkeit entbinden würden; Anzeichen hierfür gibt es jedoch nicht. Für Spannung auf der Generalversammlung der DENIC im Mai ist also gesorgt.

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