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DENIC verteidigt Einführungsprozess

Die deutsche Domain-Verwaltung DENIC eG hat den Prozess zur Einführung von Kurz- und Zifferndomains verteidigt: in einer „Hintergrundinformation“ erläuterte die Registry die technischen Abläufe zum internen Roll-Out Bericht.

Über die Website wikileaks.de – einem Projekt, das sich der Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen verschrieben hat – gelangte Ende des letzten Monats ein interner Bericht der DENIC an die Öffentlichkeit, in dem die Registry ihren Genossen einen vertieften Einblick in den technischen und organisatorischen Ablauf des Verfahrens zur Freigabe der bisher gesperrten Kurz- und Zifferndomains am Freitag, den 23. Oktober 2009 gab. Der 25seitige Bericht, von dem 22 Seiten zugänglich sind, erläutert zunächst die Hintergründe der überraschenden Entscheidung von DENIC, infolge des vw.de-Beschlusses des Bundesgerichtshofes die Registrierungsbedingungen anzupassen. Weiter enthüllt der Bericht, dass die DENIC bereits seit Januar 2009 die mögliche Einführung von Kurz- und Zifferndomains technisch und organisatorisch vorbereitete, um einer ungünstigen Gerichtsentscheidung vorzubeugen; im August war man so weit fortgeschritten, dass ein Rollout innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden konnte.

Trotz der Vorbereitungen musste die DENIC eingestehen, dass der Einführungsprozess nicht frei von Pannen war. So führten technische Probleme mit dem Mailserver „EXIM“ dazu, dass teilweise mehr als die pro Genosse vorgegebenen vier eMails pro Minute angenommen wurden; begründet wird dieser Fehler unter anderem mit mangelndem Know-How, blindem Technikvertrauen und einem unzureichenden Hinterfragen von Testprotokollen. Tröstlich mag sein, dass kein Mitglied mehr als fünf Aufträge binnen der vorgegebenen Minute übertragen konnte. Desweiteren waren ebenfalls wegen technischer Probleme Aufträge in der falschen Queue unter Missachtung von „first come, first served“ verarbeitet worden; diesen Fehler erklärt DENIC mit ungenügenden Tests, wobei offen bleibt, ob der Fehler auch bei Tests hätte entdeckt werden können. In organisatorischer Hinsicht griff DENIC das Problem der Poolbildung mehrerer Genossen auf, woraus sich eine Maximierung des Registrierungserfolgs ergeben haben soll; da die Verantwortung insoweit jedoch bei den DE-NIC-Mitgliedern liegt, war dies seitens DENIC nicht auszuschließen. Zwei Mitglieder waren ferner aufgrund von Bearbeitungsfehlern im DENIC-Team von der Registrierung ausgeschlossen. Ein Mangel an Selbstkritik und schonungsloser Offenheit ist der DENIC nach dem Roll-Out Bericht also gewiss nicht zu attestieren.

In einer als Gegenreaktion veröffentlichten „Hintergrundinformation“ geht die DENIC demgemäß offensiv mit dem ans Licht der Öffentlichkeit gelangten Roll-Out Bericht um. Ein zentraler Aspekt sei der offene und transparente Umgang mit Problemen und Fehlern, mit den in der Regel sehr komplexen technischen Abläufen, um Produktionsabläufe zu optimieren. Trotz aller Probleme ist jedoch festzuhalten, dass die Einführung in der Gesamtbetrachtung erfolgreich verlaufen ist. Die DENIC untermauert dies mit konkreten Zahlen und Statistiken, aus denen sich etwa ergibt, dass eine regelmäßige Verteilung der Aufträge über alle Provider erfolgte. Keines der im Roll-Out Bericht dargelegten Probleme hatte das Potenzial, zu einer Ungleichverteilung der Chancen und Aufträge zu führen. Auch mit den beiden ausgeschlossenen Mitgliedern führt DENIC bereits Gespräche, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Letztlich bleibt ein Gefühl zurück, mit dem jede neue Top Level Domain zu kämpfen hat: ein in jeder Hinsicht perfektes Verfahren bei der Einführung oder Freigabe neuer Domains hat die Welt noch nicht gefunden.

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