WIPO

Zahl der UDRP-Verfahren 2017 auf Rekordhoch

Die Zahl der Rechtsstreitigkeiten nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) hat im Jahr 2017 ein Rekordhoch erreicht. Das meldet zumindest die Genfer World Intellectual Property Organization (WIPO) und merkt an: die neuen Top Level Domains sind daran unschuldig.

Mit 3.074 UDRP-Verfahren hatte es die WIPO im letzten Jahr zu tun, ein Anstieg um 1,3 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2016, in dem es 3.036 Verfahren gab. Gestritten wurde um 6.370 Domains, was ein deutlicher Anstieg gegenüber den 5.374 Domains im Vorjahr ist. Insgesamt betrachtet steigt also die Zahl der UDRP-Verfahren ebenso an wie die Zahl der Domains, um die gestritten wird. Allerdings ist auch die Zahl der weltweit registrierten Domains beständig gestiegen, so dass insoweit lediglich ein Parallelverlauf festzustellen ist. Das bestätigt ein Blick ins Detail: die Zahl der streitigen .com-Domains lag im letzten Jahr bei 3.997, ein steiles Wachstum um 862 Domains oder 27 Prozent gegenüber den 3.135 Domains im Jahr 2016. Zudem entfielen im Jahr 2016 insgesamt 66 Prozent aller Streitigkeiten auf .com, im Jahr 2017 waren es 70 Prozent. Da .com seit Jahren am stärksten wächst, hat die Einführung hunderter neuer Top Level Domains also zu keiner explosionsartigen Steigerung der UDRP-Verfahren geführt. Zweitstreitigste Domain-Endung war .net mit einem Anteil von 4,96 Prozent vor .org mit 3,81 Prozent und .info mit 2,48 Prozent.

Bei den neuen Top Level Domains sind .store (1,72 Prozent) sowie .site (1,39 Prozent) besonders auffällig. Es folgen .xyz, .club, .shop, .website, .top und .vip, jedoch mit einem Anteil von unter 1,16 Prozent. Als eifrigster Beschwerdeführer agieren weiterhin die USA mit 920 Verfahren vor Frankreich (462), Großbritannien (276) und Deutschland (222); mit einem Anstieg von satten 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr haben vor allem die Briten die Vorteile des UDRP-Verfahrens erkannt. Besonders beschwerdefreudig waren Philip Morris (91 Verfahren), Michelin (56), AB Electrolux (51), Chatroulette (46) sowie Sanofi (36). Auf Seiten der Beschwerdegegner liegen ebenfalls die USA mit 758 UDRP-Verfahren vorne, gefolgt von China (492), Großbritannien (184) und Frankreich (100); hier liegt Deutschland mit lediglich 55 Verfahren auf Passivseite im Mittelfeld. Beliebtes Branchenziel für Cybersquatter sind „Banking and Finance“ (12 Prozent), Mode (11 Prozent) und „Internet and IT“ (9 Prozent). Keine Angaben macht der WIPO-Bericht dazu, in wie vielen Fällen sich die Markeninhaber durchgesetzt haben bzw. erfolglos geblieben sind. Naturgemäß setzen sie sich jedoch in der weit überwiegenden Zahl der Fälle durch.

Die WIPO ist eines von aktuell fünf ICANN-akkreditierten UDRP-Schiedsgerichten. Hierzu gehören auch das National Arbitration Forum, das Czech Arbitration Court Arbitration Center for Internet Disputes, das Asian Domain Name Dispute Resolution Centre sowie das Arab Center for Domain Name Dispute Resolution; praktische Bedeutung haben aber nur die WIPO und das National Arbitration Forum. Auch wenn die Zahlen der WIPO damit nicht verallgemeinerungsfähig sind, zeigen sie klar auf, in welche Richtung der Trend geht. Sorgen, wonach mit wachsender Anzahl der Domain-Endungen auch die Rechtsstreitigkeiten in ungeahnte Höhen schnellen, sind demnach unbegründet.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

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