Olympia-Domains

IOC fordert Sonderrechte

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) drängt bei der Internet-Verwaltung ICANN auf Sonderrechte: neue generische Top Level Domains mit olympischem Bezug sollen bereits im Bewerberhandbuch von der Registrierung ausgenommen sein.

Ja zu neuen Top Level Domains, aber nur mit besonderem Schutz für das IOC sowie das Rote Kreuz: mit dieser öffentlich kaum diskutierten Auflage verabschiedete ICANN im Juni 2011 die vorläufige Endfassung des Bewerberhandbuchs. Zumindest während der ersten Bewerbungsphase sollten damit Domains wie .redcross oder .olympic verhindert und so der Regierungsbeirat Governmental Advisory Committe besänftigt werden. Doch wer den kleinen Finger gereicht bekommt, will häufig gleich die Hand: in einem jetzt veröffentlichten Schreiben an ICANN-Vize Kurt Pritz fordert die US-Kanzlei Silverberg, Goldman & Bikhoff eine Ausweitung dieses Schutzes. Als zu schützend konkret benannt werden die beiden Worte „olympic“ und „olympiad“ in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch, Griechisch, Koreanisch und Russisch, wobei sich der Schutz der letzten fünf auch auf die internationalisierte Variante beziehen soll. Doch damit nicht genug: auch zum Verwechseln ähnliche Begriffe wie „olympics“ sollen gebannt werden.

Öffentlich ist bisher nicht bekannt, dass sich eine Initiative um die Zuteilung der Domain .olympic bewirbt, und angesichts des in vielen Ländern bestehenden gesetzlichen Schutzes der olympischen Zeichens – in Deutschland gilt beispielsweise das „Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Bezeichnungen“ (OlympSchG) vom 31. März 2004 – dürfte eine Bewerbung auch unwahrscheinlich sein. Bleibt allerdings noch die Ebene der Second Level Domain, weshalb das IOC noch eins draufsetzt: die Begriffe „olympic“ und „olympiad“ sollen auch als Second Level Domain von der Registrierung ausgenommen sein, es sei denn, der Registry-Betreiber habe sich zuvor mit dem IOC geeinigt. Damit würden die olympischen Begriffe faktisch den selben Schutz wie ausgewählte Begriffe der DNS-Infrastruktur wie „nic“ oder „whois“ und Landesnamen genießen; vor allem jedoch: damit wäre die Tür für eine schwarze Liste zu sperrender Begriffe weit aufgestoßen – ein Schritt, den nicht einmal das GAC gefordert hat, und der im Hinblick auf die Verantwortlichkeit von ICANN und/oder eine Registry bei Rechtsverletzungen durch Domain-Namen erhebliche Risiken aufwerfen würde.

Wie ICANN mit dieser Forderung umgeht, bleibt abzuwarten; eine öffentliche Reaktion gibt es bisher nicht. Wie ernst es das IOC mit seinen Forderungen jedoch meint, verrät ein Blick in die „IOC Social Media, Blogging and Internet Guidelines„, die anlässlich der Olympischen Spiele 2012 in London vor wenigen Tagen veröffentlicht wurden und insbesondere das Verhalten der Athleten regeln sollen. Darin sind Domain-Namen ausdrücklich erwähnt und eine Registrierung unter Verwendung von „olympic“, „olympics“ oder ähnlicher Begriffe nur in Ausnahmefällen und auch nur während der Dauer der Olympischen Spiele zugelassen. Nicht einmal die risikofreudigsten Grabber sollten sich also an Olympia-Domains versuchen; kostspielige Abmahnungen dürften auf dem Fuss folgen.

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