Frankreich

Defizit-Studie bei der Markenpflege

Die weltweit operierende französische Lawfirm Fidal, mit 90 Niederlassungen allein in Frankreich, hat eine 38-seitige Studie veröffentlicht, in der sie untersuchte, wie französische Unternehmen ihr Branding und ihre Marken angesichts der Einführung neuer Domain-Endungen pflegen.

Die Untersuchung fand im Laufe des Jahres 2014 statt, indem die Lawfirm ihre französischen Mandanten befragte. 255 von ihnen reichten den mit 16 Fragen bestückten Fragebogen zurück. Die Antworten verarbeitete die Lawfirm zu einer 38-seitigen Studie, die sie im Dezember 2014 veröffentlichte. Die beteiligten Mandanten stammen zu 35 Prozent aus der Dienstleistungsbranche (überwiegend B2B), 19,1 Prozent aus dem Handel und zu 17,9 Prozent aus der Herstellungsindustrie. Der Schwerpunkt der Antworten kam aus dem Elsaß (20,2 %), der Ile-de-France (14,2 %) und der Region Nord-Pas-de-Calais (13,4 %). Die verbleibenden 52,2 Prozent verteilten sich auf die übrigen 19 europäischen Regionen Frankreichs. 55 Prozent der Unternehmen weisen weniger als 49 Mitarbeiter auf. Im einzelnen kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:

Verantwortlich für die Markenpflege sind überwiegend Abteilungen innerhalb der Unternehmen (41 %), Patentanwälte (25,5 %) und Lawfirms (20 %). Die interne Pflege wird überwiegend von nicht spezialisierten Mitarbeitern ausgeführt. Bei den Domains liegt die Verantwortung für diese bei 57 Prozent im Unternehmen, und wird da überwiegend (35,3 %) auf der Managementebene betreut. An zweiter Position steht die Marketingabteilung (19,6 %) gefolgt von der IT-Abteilung (18,6 %) und der juristischen Abteilung (15,7 %). Der Überblick über Markenportfolio und Domain-Portfolio innerhalb der Unternehmen liegt beinahe gleichauf: 71,8 Prozent (Domains) und 76,2 Prozent (Marken) der Unternehmen erklärten, den exakten Status des jeweiligen Portfolios benennen zu können. Nicht davon umfasst sind allerdings die mit den Portfolien verbundenen Kosten. Auf Befragen erklärten 85 Prozent, sie nutzen Monitoring-Dienstleistungen, um ihre Marke zu schützen. Im Falle eines Markenmissbrauchs ziehen es 56,1 Prozent vor, zu einer friedlichen Übertragung der Domain zu kommen. 26,3 Prozent verlassen sich auf Streitbeilegungs- und gerichtliche Verfahren, wobei laut der Studie Frankreich gleich hinter den USA seit zehn Jahren an zweiter Stelle der Länder steht, die Streitbeilegungsverfahren am meisten nutzen. Lediglich 64,9 Prozent der befragten Unternehmen sind sich der Einführung der neuen Endungen überhaupt bewusst, was sie überwiegend (70,8 %) aus der Presse erfahren haben. 55,7 Prozent gaben an, Domains unter den neuen Endungen registrieren zu wollen. Aber ein vorausgehendes Audit über den Ist-Stand und eine mögliche Strategie haben lediglich 5 Prozent gemacht, was ein wenig im Widerspruch zum ganz überwiegend betriebenen Monitoring steht, das letztlich eine vorausgehende Prüfung der Gegebenheiten mit sich bringen müsste. 80,7 Prozent haben keine Marke ins Trademark Clearinghouse eingestellt. Sie arbeiten entweder immer noch an der Strategie (39,5 %), haben noch keine Entscheidung getroffen (30,3 %) oder sehen die Kosten als zu hoch an (9,2 %). 32,8 Prozent nannten andere Gründe, warum sie noch keine Marke zum TMCH angemeldet haben. Dabei sind sich lediglich 42,6 Prozent der Befragten überhaupt bewusst, dass mit Einführung der neuen Domain-Endungen Risiken für ihre Marken einhergehen, durch Cybersquatting. Wobei sich 58,8 Prozent der Beteiligten im Klaren darüber sind, wie sie ihre Rechte verteidigen können.

Die Studie zeigt einige Widersprüche beim Verständnis der befragten Unternehmen, was tatsächlich los ist. Das wird besonders deutlich, wenn es um die Frage nach dem Schutz der eigenen Marken geht. Anscheinend ist unklar, welche Schutzmethoden umgesetzt sind, ob lediglich Monitoring betrieben wird, oder auch Marken in das TMCH oder einem Registry-eigenen Schutzsystem eingetragen sind. Nach wie vor bedarf es der Aufklärung der potentiellen Kunden durch die Registries, Registrare und ICANN, um für die aktuelle Situation, die sich in 2015 und 2016 durch hunderte weitere nTLDs ausweitet, zu sensibilisieren. Es gibt da noch einiges zu tun, obgleich man davon ausgehen muss, dass sich die allgemeine Kenntnis von der Einführung der neuen Endungen allein aufgrund des Umstands, dass mittlerweile zahlreiche regionale Top Level Domains wie .berlin, .paris und .nrw aktiv sind, weit höher ist als sie noch zum Zeitpunkt der Befragung in der Studie gewesen sein dürfte.

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