Rauf oder runter

quo vadis, Domain-Handel?

Explodieren die Domain-Preise oder gehts in den Keller – kaum eine andere Frage dürfte Domain-Händler dieser Tage mehr beschäftigen als die zukünftigen Entwicklungen im Secondary Market. Werfen wir einen Blick auf den Status Quo.

„Das große Zocken: Droht die nächste .com-Blase?“ titelt das österreichische Wirtschaftsblatt. Das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel dagegen meint „Domainhandel – Der Goldrausch ist nicht vorbei“. Überraschend: beide zitieren sie Zahlenmaterial der Domain-Handelsplattform Sedo. Gilt also doch der Spruch, dass man keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat? Nicht ganz. So kann der Spiegel seine These auf durchaus gewichtige Argumente stützen. Obwohl die Boom-Zeiten mit 6.500 .de-Domains täglich vorbei sind, meldet zum Beispiel die deutsche Registry DENIC immerhin noch 2.500 bis 3.000 Neuregistrierungen täglich. Lässt man ausländische Domain-Inhaber aussen vor, so hat statistisch jeder siebte Deutsche eine eigene .de-Domain; auch der Osten der Republik zieht nach, wie die Neuauflage des Domain-Atlas belegt. Das befeuert den Handel: Weltweit vermittelte Sedo im vergangenen Jahr den Verkauf von rund 39.000 Domains für 55 Millionen Euro, umgerechnet also etwa EUR 1.400,– pro Domain.

Also alles in Butter? Eher nein, glaubt man dem Wirtschaftsblatt. Zwar beherrschen die großen Domain-Deals wie sex.com mit US$ 12,5 Mio. oder fund.com mit US$ 9,9 Mio. die Schlagzeilen; doch es stellt sich die Frage, ob diese Preise auch wirklich bezahlt worden seien. Bei weiteren Hochkarätern wie russia.com, die 2009 noch US$ 1,5 Mio. kostete, erblickt der Internetnutzer heute einen Anzeigenfriedhof, zu deutsch: eine mit Werbeanzeigen zugepflasterte Parking-Seite. Auch die vormals hoch gehandelte america.com, mit Mindestpreisen von über US$ 1 Mio. beworben, fristet ihr Dasein mit Parking. Und laut Presseunterlagen würden in der Sedo-Datenbank 15 Millionen Domains auf einen Käufer warten; vergleicht man dies mit den im Jahr 2009 verkauften 38.727 Domains, wurden nur 0,258 Prozent der angebotenen Adressen an den Mann gebracht. Hat der Domain-Handel also gar keine Zukunft?

Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Es lässt sich nicht leugnen, dass der Markt mit unattraktiven Domains überschwemmt worden ist. So wird sich der Inhaber von üc.net wohl schwer tun, die inserierten US$ 65.000,– für die Domain zu erlösen. Nichts anderes gilt für 05toggo.de, die zu EUR 10.000,– angeboten ist, oder bauinx.de, für die man EUR 21.000,– hinlegen soll. Und ja, die (vermeintlich) besten und attraktivsten Adressen sind häufig vergeben. Aber wer Geld in seine Domain investiert, sie in Suchmaschinen listet und mit originären Inhalten den Traffic erhöht, kann auch mit unscheinbaren Adressen Geld verdienen. Selbst das Schnüren von Einzel-Domains zu Paketen, die zum Beispiel einen Begriff unter mehreren Top Level Domains abdecken, kann den Preis erheblich erhöhen. Wer dagegen meint, es sei mit dem bloßen Registrieren der Domain getan, wird in der Tat regelmäßig das Nachsehen haben – jetzt und in Zukunft.

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