Fakten

Ist der China-Boom Fluch oder Segen für den Domain-Handel?

Der Boom der Domain Name Industry in China lässt in diesen Tagen die Kassen vieler Domain-Registrare und Domainer klingeln. Doch könnte sich die enorme Nachfrage auch zu einem Fluch entwickeln? Zeit, nach Fakten zu suchen.

Kurze Domain-Namen gelten seit langem als besonders attraktiv. In China hat gleich ein regelrechter „Run“ eingesetzt: 136 der insgesamt 676 .com-Domains mit zwei Zeichen sind inzwischen in chinesischer Hand; das entspricht einem Anteil von über 20 Prozent. Unterstrichen wird diese Entwicklung durch den Registrar-Report von VeriSign. Wie die .com-Registry mitteilt, war der chinesische Registrar HiChina im September 2015 mit 410.026 registrierten .com-Domains zweitgrößter .com-Registrar weltweit nach GoDaddy (871.472). Auf dem dritten Platz landete mit eName (312.885 Domains) ebenfalls ein chinesischer Registrar; eNom bzw. name.com kamen auf »nur« 217.888 .com-Domains. Im Oktober 2015 dürfte sich dieser Trend bestätigt haben: nach vorläufigen Zahlen wurden damals binnen drei Wochen rund 3,2 Millionen .com-Domains neu registriert. Auch die nTLDs haben das Interesse aus China geweckt: sieben der zehn wachstumsstärksten Domains mit neuer Endung finden vor allem chinesische Käufer; dazu zählen .win, .xin, .xyz, .date, .top, .racing und .faith.

Ganz gesund scheint diese Entwicklung aber nicht zu sein. Schon im Herbst 2015 hatte VeriSign eine Art Gewinnwarnung veröffentlicht: das Wachstum vor allem bei .com-Domains könnte sich demnach zu einer Blase entwickeln, die schon bald platzt. In einem Börsenbericht heißt es:

Verisign cannot predict if or how long this increased pace of gross additions will continue and we cannot at this time predict what the renewal rate for these domain names will be.

Ähnliche Befürchtungen dürfte auch Escrow.com haben; dort verdoppelte sich die Zahl der Transaktionen aus China seit 2013. Uniregistry meldet, dass zwei Prozent der Kundendaten, 44 Prozent der Verkäufe und 57 Prozent des Dollar-Geschäfts auf chinesische Kunden zurückzuführen ist. Das Interesse ist dabei vor allem auf Domains mit zwei, drei oder vier Zeichen gerichtet; längere Domain-Namen scheinen in China kaum begehrt zu sein. Doch wenn alle kurzen Domains weg sind – platzt dann eine Blase?

Tobias Flaitz, CEO der Sedo Holding AG, teilt diese Furcht nicht. So seien Chinesen kulturell bedingt sehr zahlenfixiert, weil sie Wörtern oft ähneln; deshalb seien dort Zahlen-Domains besonders begehrt. Zudem sind sie einprägsamer als Schriftzeichen-Domains. Er geht allerdings davon aus, dass das Wachstum anhält. So seien zuletzt kurze Domains wie give.com (US$ 500.000,–), pax.com (US$ 200.000,–) und 1905.com (US$ 57.000,–) zu hohen Preisen verkauft worden; ein Abflauen dieses Trends sei nicht ersichtlich. Flaitz ruft bei all dem dazu auf, den chinesischen Markt und seine Eigenheiten zu verstehen, beispielsweise durch Webangebote in der Sprache Mandarin und sprachkundiges Supportpersonal. Erst die Zukunft werde zeigen, in welche Richtung es geht. Noch muss man also keine Angst haben, dass die Blase platzt; es auszuschliessen, wäre jedoch fahrlässig.

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