music.mobi

Domain-Auktion mit Hindernissen

Am vorvergangenen Donnerstag, den 5. Dezember 2007, versteigerte Sedo zusammen mit mTLD, der Verwalterin von .mobi, die dritte und letzte Gruppe .mobi-Premiumdomains. Doch statt mittlerweile routiniert die Bieter bieten zu lassen, kam es zu Unregelmäßigkeiten, die zur Verlängerung der Auktion führten und zumindest einen wütenden Domainer zurückließ.

Die Meldung liesst sich prima: music.mobi für das Rekordgebot von US$ 616.000,– versteigert – die teuerste .mobi-Domain bisher. Doch ob diese Versteigerung gültig ist, fragt sich zumindest Constantine Giorgio Roussos, der um den Domain-Namen mitgeboten hat und zu US$ 66.000,– bei Ablauf der Auktion den Zuschlag und zwei entsprechende eMails von Sedo und mTLD sowie die Rechnung für die Auktion erhielt. Roussos sah sich als Gewinner, konnte sein Laptop schließen und sich seinem Gitarrenspiel widmen. Doch kurze Zeit später erhielt er zwei eMails von Sedo und mTLD, wonach das Interesse an der Versteigerung so groß gewesen war, dass der Server gecrasht sei und die Versteigerung nun erneut starten würde; zugleich luden die Veranstalter weitere Bieter ein, mitzusteigern. Roussos steigerte bis zu US$ 611.000,– mit, dann stieg er aus. Der Domain-Name erzielte, zweieinhalb Stunden nachdem die Versteigerung neu gestartet war, letztendlich US$ 665.000,–.

Nicht ungewöhnlich, dass jemand während einer Auktion einen Bieter überbietet. Doch hier liegt die Sache jedenfalls aus Sicht von Roussos etwas anders: Die Auktion war eigentlich bereits mit seinem Gebot von US$ 66.000,– beendet. Er erhielt zudem die Nachricht, dass er den Zuschlag habe, und dem eine entsprechende Rechnung zuging. Darüber hinaus nahmen plötzlich neue Bieter an der Versteigerung teil, die sich zu einem früheren Zeitpunkt für diese nicht angemeldet hatten.

Der Gebotsverlauf der Auktion von music.mobi zeigt, dass Roussos Gebot über US$ 66.000,– um 17:53 Uhr einging. Nach einer Pause von über einer Stunde, um 19:03 Uhr, ging ein neues Gebot ein; die Auktion wurde fortgeführt und endete schließlich um 21:07 Uhr mit dem Gebot über US$ 616.000,–, das von einem neuen Bieter abgegeben wurde, der nun an der Versteigerung teilnahm.

Roussos kontaktierte nach der Auktion Sedo und wollte die Sache mit Tim Schumacher, dem Geschäftsführer von Sedo besprechen. Roussos wurde so auf den Teamleiter für Brokerage verwiesen. Der jedoch rief laut Roussos nicht zurück; Roussos erhielt stattdessen eine eMail vom Teamleader, in der Sedo anbot, den Kauf von mp3.mobi zu US$ 500.000,– zu vermitteln. Die eMail lässt bereits eine ordentliche Anrede vermissen, der Verfasser geht darin nicht mit einem Wort auf die Situation selbst ein. Für Roussos sieht es nun so aus, als hätten Sedo und mTLD alles daran gesetzt, die Domain möglichst teuer zu verkaufen – auch nach Abschluss der Auktion.

Die Sedo-Sprecherin Semra Yilmaz teilt auf Nachfrage mit, ca. zehn Minuten vor Ende der Auktion habe es einen Crash des Servers wegen Überlastung gegeben. Damit alle rechtzeitig abgegebenen Gebote ordentlich zugehen konnten, verlängerten die Veranstalter die Auktion. Die Verlängerung der Auktion nach dem Crash sei notwendig gewesen, um den eigenen Regeln der Auktion zu entsprechen und sicherzustellen, dass der Servercrash keine Nachteile für die Bieter mit sich brachte. Vor allem sollten alle Bieter der Auktionen genügend Zeit erhalten, ihre durch den Servercrash ausgebliebenen Gebote wiederholen zu können. Dass ein Servercrash eintreten würde, war nicht voraussehbar. Nun bemühe man sich, die Serverleistung zu verbessern, damit zukünftig solche Zwischenfälle nicht mehr eintreten. Sedo entschuldigt sich für alle Unannehmlichkeiten, die mit dem Crash einhergingen.

Diese Stellungnahme dürfte Roussos nicht weiterhelfen. Er kündigt an, die für den Erwerb der Domain von ihm angesetzten gut US$ 600.000,– für einen Rechtsstreit und entsprechende Publicity einzusetzen. Ob ihm das die Domain bringen wird, ist fraglich. Die Publicity dürfte für Sedo allerdings nicht willkommen sein: bereits zu früheren Zeitpunkten war Sedo wegen seinen Auktionen ins Gerede gekommen, die teilweise fehlerhaft abgelaufen sein sollen. Das Vertrauen wird so sicher nicht gestärkt. Letztlich reagierte Sedo gegenüber Roussos indem man über Sheri Archidiacono, die Anwältin von Sedo, versucht, eine praktikable Lösung für Roussos, Sedo und mTLD zu vermitteln.

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