Rückblick

Domain pulse 2017 war großer Erfolg

Zum 13. Male fand Mitte Februar 2017 der Domain pulse statt, das bedeutendste Forum der Domain-Branche im deutschsprachigen Raum. Über 300 Teilnehmer trafen sich unter Federführung von Nic.at in Wien, um sich insbesondere dem Thema »Netzwerken in Netzwerken« zu widmen.

Gleich am ersten Tag der zweitägigen Konferenz zog der Vortrag »ICANN nach der IANA Stewardship Transition« die Zuschauer in ihren Bann, zumal ICANN mit Vizepräsident Cherine Chalaby prominent vertreten war. Die internationalen Experten waren hoch erfreut über das konsensorientierte »bottom-up« Multistakeholder-Modell der Internetverwaltung.

Das neue ICANN Modell ist der Garant dafür, dass nie wieder eine Regierung oder zwischenstaatliche Organisationen die Aufsicht über die IANA Funktion im Internet haben wird,

brachte Chalaby die Thematik auf den Punkt. Niemand habe künftig die alleinige Kontrolle, es gibt keinen »single point of failure« und Regierungen können nicht direkt Einfluss nehmen. Die sind darüber nicht nur begeistert, wie Thomas Schneider vom Schweizer Bakom, zugleich Vertreter des ICANN-Regierungsbeirats GAC (Governmental Advisory Committee).

Die Tatsache, dass ein Land alleinig für die Aufsicht zuständig war, war für viele nicht akzeptabel. Mit dem Ausstieg der USA sind nun alle Regierungen gleichberechtigt, was wir grundsätzlich begrüßen – aber was natürlich auch alle gleich unzufrieden macht.

Die Frage, ob die USA aufgrund des Sitzes von ICANN in Kalifornien gleichwohl versuchen könnten, Einfluss zu nehmen, beantwortete Erich Schweighofer, Völkerrechtler von der Uni Wien, kritisch:

Prinzipiell ja, denn es gibt keinen völkerrechtlichen Vertrag für die weltweite Anerkennung ICANNs, der auch Unabhängigkeit vom Gastland garantiert.

Für die Zukunft verspricht sich die Branche nicht nur politische Stabilität, sondern auch weiterhin Wachstum, das vor allem durch China befeuert werden soll.

Über zehn Millionen Domains wurden 2016 in China registriert – und 2017 wird noch besser!,

versprach Ray Zheng, CEO von Racent Inc., einem der größten chinesischen Webhoster. Dafür benannte er zwei Gründe: zum einen die Nachfrage sowohl von Start-Ups als auch den etablierten Unternehmen, zum anderen den rasant ansteigenden Domain-Handel zu Spekulationszwecken. Giuseppe Graziano, Domain-Broker auf dem chinesischen Markt, erklärte das Phänomen:

Die Chinesen spekulieren gerne, spielen gerne und legen gerne ihr Geld in etwas an – oft auch mit Risiko und mit dem einzigen Ziel, gewinnbringend weiter zu verkaufen.

Auf die Frage nach Schattenseiten oder Bedenken beim China-Boom meinten die Diskutanten einhellig: Man müsse eben gewisse Spielregeln einhalten und Gegebenheiten akzeptieren. Dass es ohne Netzwerk und Beziehungspflege allerdings nicht geht, verdeutlichte Philipp Grabensee, Co-Gründer von Afilias.

Will man in China als Domainvergabestelle tätig sein, braucht man eine Genehmigung der chinesischen Regierung.

Ganz dem Thema Sicherheit gewidmet war Tag zwei. Volker Kozok, Cyber-Security-Experte im deutschen Bundesministerium der Verteidigung, gab Einblicke in den russisch-ukrainischen Cyberwar und den Einsatz sozialer Medien. »Cyber-Crime als Servicedienstleistung wird immer besser«, merkte Kozok an.

Man kann mittlerweile alles kaufen. Vor allem bei der russischen Cyber-Crime-Szene handelt es sich um hervorragend ausgebildete Hacker, die effizient und perfekt durchorganisiert sind. Das sind Wirtschaftsunternehmen!

Eireann Leverett, der aus dem CERT-Umfeld kommt, räumte mit Mythen rund um Cyberversicherungen auf und erklärte, wie die Security-Branche gemeinsam mit Versicherungen das Sicherheitsniveau heben kann:

Über eine Zusammenarbeit in Bezug auf Datenaustausch, Schulungen, Erstellen von Standards und Kennzahlen könne hier viel bewirkt werden.
Wer die erneut wunderbar organisierte Konferenz in diesem Jahr verpasst hat: nächstes Jahr findet sie wieder in Deutschland statt, dann unter Federführung der DENIC eG.

Neben diesem Programm erfreute Nic-at die Teilnehmer der Domain pulse mit dem spektakulären Video America first – RcodeZero Secondary!, das beim Domain pulse seine Uraufführung feierte und die Anycast-Technologie auch für Laien erklärt.

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